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der «S verfertigt hat, gleich? Und wenn Gott Himmel und Erde geschaffen und Alles, was Euch nährt, bereitet hat, wird er nicht auch Euch ernähren und erhalten? Aber wisset fuhr er dann fort der Gott, der Himmel und Erde gemacht hat', kann sie auch zerstören und Euch strafen. Darum fürchtet Gott, der so groß und mächtig, und liebet ihn, der so gut ist." In diesem einfachen, herzlichen Tone redete er zu den Armen, und was er sagte, wurde mit lautem Beifall aufgenommen. Mochte auch bei Vielen zu­nächst dieser Beifall durch die leibliche Wohlthat erzeugt werden, die sie empfingen, so wurde doch zugleich ihre Auf? merksamkeit auf die großen Wahrheiten der geoffenbarten Religion gelenkt und ihr Herz geneigt gemacht, den Einen wahren Gott, und Den, welchen Er gesandt zum Heil der Sünder, zu erkennen und anzubeten.

Was Martyn am letzten Tage dieses Jahres in seinem Tagebuche bemerkt:Mein größter Kummer ist, daß ich nicht oft und stark und inbrünstig genug im stillen Gebete, besonders für die Heiden, mein Herz beschäftige. Leider nimmt die Wärme meines Herzens, nicht in dem Maaße zu, als es in meinem Geiste Heller wird" das sollte wohl die Klage eines Jeden seyn, der mit rechtem Ernste über sich selbst und über die heilige Pflicht des Gebetes nachdenkt. Wir erkennen wohl in ernsten Augenblicken, wo wir, über das Irdische erhoben, Gott näher stehen und ein Vorgefühl der Seligkeit haben, die mit dem Anschauen Gottes, mit dem Leben in Ihm verbunden ist, die Nothwendigkeit und die hohe Würde des Gebetes, das zum geistigen, himmlischen Leben eben so unentbehrlich ist, wie das Athmen zum leib­lichen, irdischen; dann beten wir auch wohl mit Inbrunst und empfinden die heilsame Wirkung .eines solchen Gebetes unmittelbar und lebendig: aber dennoch ist die Macht der Sinnlichkeit, der Zauber, womit sie uns umfängt und be­thört, so stark, daß Tage, ja Wochen vergehen, wo wir die Seligkeit des innigen Gebetes nicht empfinden, und, wenn wir auch beten, nicht erhört werden, weil wir nicht auf die rechte Weise, nicht mit ganzer Seele, nicht aus dem innersten bewegten Herzen beten. Das ist sehr traurig, um so mehr, wenn wir, wie das zugleich oft geschieht, nicht einmal das klare Bewußtseyn unseres traurigen Austandes haben, gleich einem gefährlich Kranken, der die Größe der