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zu Gott führen mögest, durch Jesum Christum, der uns geliebt und gereinigt hat von unsern Sünden mit seinem Blute. Ihm sey das Reich und die Ehre in Ewigkeit!"

Mirza Ibrahim hatte öffentlich erklärt, wenn Martyn Wirklich seine Beweise widerlegen werde, so finde er sich in seinem Gewissen gedrungen, ein Christ zu werden; aber ^ es war wohl nicht zu erwarten, daß dieser, auf seine Weis­heit und sein Ansehen so eingebildete Mann zugeben werde, von einem Fremden, mit dem er sich in einen öffentlicher» Wettstreit eingelassen hatte, besiegt zu seyn. Auch sagt Martyn nichts davon; doch meint er, die allgemein aner­kannte Rechtschassenhcit des Mannes und seine grenzenlose Liebe zu den Armen könnten ihn wohl glauben lassen, daß kr ein Cornelius seyn möge. Gewiß darf man anneh­men, daß ihm und vielen Andern Martyns eindringende und bündige Entgegnung und sein ganzes würdevolles Be­nehmen größte Achtung vor dem Christenthums eingeflößt hat, das nur zu oft durch seine eignen Vekenner und Verfechter herabgewürdigt worden ist.

Als Martyn einst einem vornehmen Perfer auf die Frage, worin die Gesetze des Christenthums beständen, er­widerte: Wir haben zwei Gebote: Du sollst lieben Gott deinen Herrn von ganzem Herzen, von ganzer Seele und aus allen Kräften; und: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst; so rief Jener aus: Das ist vortrefflich! und hörte nicht auf, dicfe Worte zu loben; ja er gestand sogar, einigen Zweifel hinsichtlich der Wahrheit des Islam zu haben.

Später hatte Martyn eine Unterredung mit dem Ober­haupte der Sophi's, die nicht weniger merkwürdig ist, als jene mit dem vornehmsten der Lehrer des Gesetzes, die er so rühmlich bestanden hatte.Ich machte berichtet er diesen Abend dem Mirza Abulkasim (so hieß jener angesehene Mann) einen längst versprochenen Besuch. Wir fanden in einem offenen Hofe mehrere Leute auf dem Boden sitzen; der Hausherr, ein noch frisch aussehender alter Mann mit einem Silberbarte, saß in der Ecke. Mich wunderten die niedergeschlagenen trübsinnigen Blicke der Anwesenden und noch mehr das herrschende tiefe Schweigen. Erwar­tungsvoll saß ich eine Zeit lang da, und da ich meine Zeit nicht verlieren wollte, so sagte ich leise zu Seid Ali: Was

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