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zugewendet hatten, der ihnen mancherlei irdische Vortheile versprach, die sie dem Heil ihrer Seele vorzogen.
Nicht ganz zufrieden mit dem Ausfall der öffentlichen Disputation, ließ der Oberlehrer eine schriftliche, ausführliche Vertheidigung des Muhamedanismus-erscheinen, die mit ziemlicher Mäßigung abgefaßt war, und in welcher als das einzige, ewig dauernde, in die Augen fallende Hauptwunder, das alle von Moses und Christus verrichtete Wunder weit übertreffe, der Koran selbst aufgestellt wurde. Martyn zögerte um so weniger, sofort eine Widerlegung in persischer Sprache niederzuschreiben, je mehr Aufsehen und Bewunderung jene Schrift des hochangesehenen und berühmten Meisters erregt hatte. Er widerlegte zuerst den Muhamedanismus und was zu seiner Vertheidigung gesagt worden war, und suchte dann die Beweisgründe für den christlichen Glauben in das Helleste Licht zu stellen und sein Ansehen zu beseitigen. Nachdem er im Eingange das von Mirza Ibrahim (so hieß der gelehrte und beredte Verfasser jener Apologie) zu Gunsten des Islam Vorgebrachte widerlegt, machte er als Hauptgründe gegen die Annahme desselben geltend, daß Muhamed von keinem Propheten sey vorausvcrkündigt worden, daß er selbst keine Wunder gethan und vornehmlich, daß er seine Religion blos durch menschliche Mittel ausgebreitet und seine Vorschriften und Verheißungen für dieses und für das zukünftige Leben blos nach den sinnlichen Begierden der Menschen eingerichtet habe; daß er für seine Person und Familie höchst ehrgeizig gewesen sey; daß der Koran von groben Jcthümern und offenbaren lWidersprüchen voll, eine völlig unwirksame Anweisung zum «wigen Heile enthalte, welcher Martyn die herrliche Heilslehre des Evangeliums entgegenstellte. Er schloß seine Schrift mit folgender beweglicher Anrede an Mirza Ibrahim: „Ich bitte Dich, diese Dinge mit unparteiischem Auge zu betrachten. Dringt die Kraft des Beweises in Dein Herz, so achte nicht des Hohnes der Unwissenden und selbst des Todes nicht; denn die eitle Welt eilt dahin wie der Wind aus der Wüste. Sollte Dir der Beweis nicht genügend «rscheinen, so bitte ich Gott, daß er Dich leiten möge, damit Du, der Du bisher ein Führer des Volks auf dem Wege wärest, den Du für den richtigen hieltest, jetzt nicht nur selbst die Wahrheit erkennen, sondern auch die Menschen