und in der Creuz-Schule unerfahrnen sehr schwer. Denn niemand glaubt,
daß die Welt so grund böse sey, biß man es selber erfähret, das Creutz sie-
het auch gar anders aus, wenn es komt, als wenn es noch erwartet wird.
Petrus wolte mit Christo in den Tod gehen, und bald darauf verläug-
nete er Ihn. O wie gar wenig sind wohl derselben, die ihr Predig-Ambt
also auf Leib und Leben anfangen. Daher wenn einer ist, der dem Teuffel
beherzt auf den Nacken tritt, so schreyen sie alle, man brauche keine Chri-
stianam prudentiam, man könne mehr niederreißen als bauen, und
wenn mans beym Lichte besiehet, so ists nichts anders, als daß man die
Wege Gottes weder kennet noch kennen will, sondern nur ein Prediger
bey guten tagen seyn will, und sich durch Menschen-Furcht schreken läßet,
das Werk eines Evangelischen Predigers getrost auszurichten. Das
κακοπάθησον davon Paulus seinen Thimotheo so viel sagt in sei-
ner andern Epistel will so gar wenig im Kopff. Wenn aber dieses alles
bey einem Menschen fürausgesezet ist, so sag ich mit allem Ernst, daß
er um einen Pfarr-Dienst anhalten könne. Aber so wird denn auch eben sol-
ches anhalten eine große und sonderbahre Krafft des Glaubens seyn, daß
neml. einer, den Gott s. H. Geistes und deßen Gaben gewürdiget, und der
nach seinem innern Menschen zu einer männlichen Stärcke gediegen ist,
ohne alles Absehen aufs zeitl. Gut und Ehre, bloß und lauterlich zur Ehre
seines Gottes und seinen armen Nechsten zum dienst, ob er gleich die hohe
würde des H. Predig-Ambts sambt deßen Bürde und bevorstehenden
schweren und gewiß unausbleiblichen Verfolgungen (denn ein diener
Christi kan der Welt nicht gefallen) vor Augen sehe und wohl erkenne-
te, und beherzigte, deßen er ungeachtet es dennoch auf Schmach, Schande und Spott
ja auch Leib und Leben getrost ankommen ließ und aus gewißer über-
zeugung und kräftigen innern Ruff Gottes um einen Prediger-dienst
anhielte. Das sage ich, ist eine große Krafft des Glaubens, dero sich 1000
nicht rühmen können, und ich mich daher nicht wundere, daß Herr D. Spener
einsmahls zu mir gesaget: Wenn es bei ihm stünde, so wolle er keinen befördern,
der um einen Dienst anhielte, weil nemlich so wenig mit guten Gewißen
anhalten, daß man sich wol auf keinen einen untadelhaften Supplic in
daß die Welt so grund böse sey, biß man es selber erfähret, das Creutz sie-
het auch gar anders aus, wenn es komt, als wenn es noch erwartet wird.
Petrus wolte mit Christo in den Tod gehen, und bald darauf verläug-
nete er Ihn. O wie gar wenig sind wohl derselben, die ihr Predig-Ambt
also auf Leib und Leben anfangen. Daher wenn einer ist, der dem Teuffel
beherzt auf den Nacken tritt, so schreyen sie alle, man brauche keine Chri-
stianam prudentiam, man könne mehr niederreißen als bauen, und
wenn mans beym Lichte besiehet, so ists nichts anders, als daß man die
Wege Gottes weder kennet noch kennen will, sondern nur ein Prediger
bey guten tagen seyn will, und sich durch Menschen-Furcht schreken läßet,
das Werk eines Evangelischen Predigers getrost auszurichten. Das
κακοπάθησον davon Paulus seinen Thimotheo so viel sagt in sei-
ner andern Epistel will so gar wenig im Kopff. Wenn aber dieses alles
bey einem Menschen fürausgesezet ist, so sag ich mit allem Ernst, daß
er um einen Pfarr-Dienst anhalten könne. Aber so wird denn auch eben sol-
ches anhalten eine große und sonderbahre Krafft des Glaubens seyn, daß
neml. einer, den Gott s. H. Geistes und deßen Gaben gewürdiget, und der
nach seinem innern Menschen zu einer männlichen Stärcke gediegen ist,
ohne alles Absehen aufs zeitl. Gut und Ehre, bloß und lauterlich zur Ehre
seines Gottes und seinen armen Nechsten zum dienst, ob er gleich die hohe
würde des H. Predig-Ambts sambt deßen Bürde und bevorstehenden
schweren und gewiß unausbleiblichen Verfolgungen (denn ein diener
Christi kan der Welt nicht gefallen) vor Augen sehe und wohl erkenne-
te, und beherzigte, deßen er ungeachtet es dennoch auf Schmach, Schande und Spott
ja auch Leib und Leben getrost ankommen ließ und aus gewißer über-
zeugung und kräftigen innern Ruff Gottes um einen Prediger-dienst
anhielte. Das sage ich, ist eine große Krafft des Glaubens, dero sich 1000
nicht rühmen können, und ich mich daher nicht wundere, daß Herr D. Spener
einsmahls zu mir gesaget: Wenn es bei ihm stünde, so wolle er keinen befördern,
der um einen Dienst anhielte, weil nemlich so wenig mit guten Gewißen
anhalten, daß man sich wol auf keinen einen untadelhaften Supplic in