ihrem Blute. Dies« gottliche Kraft war sichtbar mächtig in der Schwachheit derer, die das Wort vom Kreuze verkündigten und derer, die es glaubig annahmen; aber zugleich offenbarte sich auch eine lange unbefriedigt gebliebene Sehnsucht, ein längst tiefgefühltes, unabweisbares Vedürf- .niß nach einer göttlichen Belehrung und Zusichcrung der Sündenvergebung und Begnadigung, nach einem Erlöser und Heiland, wie er m Jesu Christo, den Weissagungen der Propheten gemäß, erschienen war. — Es geht aus mehrern Stellen der alten Schriften hervor, daß eine Kunde von dem verheißenen Messias selbst bis zu den entferntern Völkern gedrungen war, und der Zustand der öffentlichen Religion war bei dem allgemeinen Siltenverderbniß ein solcher, daß jeder nicht ganz Leichtsinnige einem von Gott gesandten und beglaubigten Propheten und Heilande mit brünstigem Verlangen entgegensehen mußte. Die alten Götter hatten zwar noch ihre Tempel und ihre Priester; aber man glaubte nicht mehr an sie — ja sie waren zum Gespött geworden — und mit ihnen Himmel und Hölle und das Leben nach dem Tode und alles Heilige und Hohe. Und doch kamen Augenblicke, wo die innere mahnend» Stimme nicht ganz übertäubt werden konnte, wo furchtbare Erscheinungen die Verzweifelnden ängstigten und dem Sünder um Trost bange war, den er bei seinen Göttern, wenn er ja noch zu ihnen sich wenden mochte, nicht zu finden wußte. Wohl ihm, wenn da das Wort der Versöhnung und des Lebens ihm verkündigt wurde und er eS mit gläubigem Herzen auffassen konnte — was der Dichter so schön und so wahr ausspricht: „Ein ewig buntes Fest der Himmclskinder und der Erdbewohner, rauschte das Leben durch die Jahrhunderte hin. Ein Gedanke nur war es, ein entsetzliches Traumbild,
Das furchtbar zu den frohen Tischen trat, und das Gemüth in wild« Schreck-n hüllte. Hier wußten selbst die Götter k> >en Rath, der die beklommne Brust mit Trost erfüllte. Gehcimnißvvll war dieses Unholds Pfad, teS Wuth kein Flehn und keine Gabe stillte. —^ Es war der Tod, der dieses Lustgclag mit Angst und Schmerz und Thränen unterbrach.