ier daZ Eine, was noth ist zur Seligkeit, erkannt und er­langt hat, der sehnlichste Wunsch, ja die heiligste Pflicht, auch Andere, so viel er vermag, dazu hinzuführen und sie mitzubringen zum Abendmahl, zu dem Alle eingeladen sind. Daher würden die Jünger des Herrn das Evange­lium Juden und Heiden verkündigt haben, auch wenn sie nicht den ausdrücklichen Auftrag dazu von Ihm selbst em­pfangen hätten. Sichtbar war der göttliche Segen mit den ersten Evangelisten und ermuthigte sie in dem schweren Kampfe, den sie mit den Machten der Finsterniß zu be­stehen hatten. Ganze Schaarcn wurden ergriffen von der heiligen Begeisterung, welche die Verkündiger des Heiles selbst über das Irdische erhob, daß sie unerschrocken vor die Gewaltigen traten und mit Freudigkeit allen Martern und dem schmerzlichsten Tode entgegen gingen. Und welche wunderbare Umwandlung der Gesinnung, und mit ihr des ganzen Lebens, vor Allem ein Zeichen göttlicher Mitwir­kung, bei den Bekehrten!

Das Evangelium bewies sich Vielen in der That als eine Kraft Gottes zur Seligkeit. Selbst die Heiden erkannten dies, so feindselig sie sonst gegen das Christenthum gesinnt seyn mochten, und äußerten es laut. Seht, wie sie sich lieben! riefen sie oft aus, wenn sie die herzliche Bruderliebe wahrnahmen, welche die Chri­sten, ohne Unterschied des Standes und des Volkes und der äußern Glücksgüter, zu ei»er großen Familie vereinigte. Justin der Märtyrer sagt:Wir, die wir einst der Wollust dienten, streben jetzt nach Sittenreinheit; wir, die wir einst einander gegenseitig haßten und mordeten, die wir die aus fremden Völkern Stammenden wegen der Verschiedenheit der Sitten nicht in unser Haus aufnehmen wollten, wir tragen, nach der Erscheinung Christi, kein Bedenken, mit ihnen zusammen zu leben; wir leben für unsere Feinde, und wir suchen die uns mit Unrecht Hassen­den zu überzeugen, damit sie nach der herrlichen Lehre Christi leben und dadurch die freudige Hoffnung empfangen mögen, dasselbe, wie wir, von dem allmächtigen Gott zu empfangen."

In einem Briefe aus jener ersten Zeit der Christen­bekehrung und Verfolgung findet sich folgende herrliche Schilderung der treuen Bekenner und Nachfolger Jesu