Christi:Die Christen sondern sich weder durch ihren Wohnsitz, noch durch Sprache und Sitten von den übrigen Menschen ab. Obgleich sie in den Städten der Griechen und Barbaren leben, so wie einem Jeden das Loos zu Theil geworden, und in Kleidung und Nahrung in der übrigen Lebensweise den Landessitten folgen; so zeichnen sie sich doch durch einen wunderbaren und allgemein auffallen­den Lebenswandel aus. Sie bewohnen ihr eigenes Vater­land, aber wie Fremdlinge; ein jedes fremde Land ist ihnen Baterland, und jedes Vaterland wie ein fremdes Land. Sie leben im Fleisch, aber nicht nach dem Fleisch; sie wohnen auf der Erde, sie leben aber im Himmel; sie lie­ben Alle und werden von Allen verfolgt, verkannt und ver, dämmt; sie sind arm und machen Viele reich; sie haben an Allem Mangel und an Allem Ueberfluß; sie werden beschimpft und segnen. Mit einem Worte was in dem Körper die Seele ist, das sind in der Welt die Chri­sten. Wie die Seele durch alle Glieder des Körpers ver­breitet ist, so sind die Christen in allen Städten der Welt verbreitet. Die Seele wohnt zwar im Körper; aber sie ist nicht vom Körper: so wohnen die Christen in der Welt; aber sie sind nicht von der Welt. Die unsichtbare Seele ist in einem sichtbaren Körper eingeschlossen; so kennt man die Christen als Bewohner der Welt, aber ihre Gottesver- ehrung ist eine unsichtbare. Das Fleisch haßt und bekämpft die Seele, obgleich die Seele dem Fleische nichts zu Leide thut, weil sie dasselbe hindert, seinen Lüsten sich hinzuge­ben: so haßt auch die Welt die Christen, obgleich sie der­selben nichts zu Leide thun, weil sie den Lüsten derselben sich entgegen stellen. Die Seele liebt das sie hassende Fleisch, und die Christen lieben die, von denen sie gehaßt werden. Die Seele ist in dem Körper eingeschlossen, und sie ist eS doch, die den Körper Zusammenhalt; so sind auch die Christen in der Welt eingeschlossen, und sie sind es doch, welche die Welt zusammenhalten. Die unsterbliche Seele wohnt in dem sterblichen Körper, und die Christen wohnen als Fremdlinge im Vergänglichen, und erwarten das un­vergängliche Leben im Himmel."

Besondere Stärkung und Erhebung fanden die ersten Christen im gläubigen Gebet, für sich und mit der Gemeine! ja sie betrachteten das Gebet als das eigentliche