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standen mancherlei Secten und Spaltungen, und im Innern der Kirche selbst entbrannte heftiger Zwist und man ver­ketzerte und verfolgte sich gegenseitig.

Dennoch ist nicht zu läugnen, daß die öffentliche und, entschiedene Anerkennung der christlichen Religion, als der einzig wahren, und der mächtige Schutz und die viclgel- tcnde Begünstigung, welche ihr dadurch zu Theil wurde,, im Allgemeinen viel zu ihrer weitern und durchgreifenden Verbreitung und zu ihrer Befestigung im weiten Umfangs des römischen Reiches beitrug, das damals fast die ganze bekannte Erde umfaßte und an dessen Spitze Constanlin als Alleinherrscher stand.

Das Evangelium sollte allen Völkern verkündigt und das Christenthum sollte die allgemeine Weltres ligion werden; darum hatte die göttliche Vorsehung weis­lich es so geleitet, daß es eben zu der Zeit in die Welt trat, als die verschiedenen Völker, zu einem großen Ganzen unter einem Gebieter vereinigt, ein Weltreich bildeten, das bald sich auflösen sollte, nachdem das Christenthum, nach allen Seilen hin verkündigt. Alles durchdrungen hatte..

Es war nun schon so mächtig geworden, daß Ju- lianus, so sehr er es wünschte und so viel er sich auch Mühe gab, doch es nicht mehr zu unterdrücken vermochte. Nur um so siegreicher erhob es sich, und wurde noch mehr äußerlich befestigt, als Kaiser Theodosius der Kirche eine noch stärkere gesetzliche Grundlage gab. Auch traten in diesem Jahrhunderte Männer auf, die mit kräf­tigem Geiste, mit wahrhaft apostolischem Eifer der Ge­meine vorstanden und das Wort Gottes predigten. So Theophilus in Indien, Gregorius in Arme­nien,Frumentius in Aegyptcn und Ae thiop ien; Martin von Tours, den man den Apostel der Gallier genannt hat, in Gallien. Auch Ulfilas, der Bisch off der Gothen, darf neben jenen Männern nicht unerwähnt bleiben; er übersetzte die heilige Schrift zuerst in die Landessprache seinesVol- kes die älteste deutsche Ueb ersetz ung, die wir zum Theil noch besitzen, zugleich' das älteste größere Denkmal deutscher Sprache und ein unumstößlicher Beweis, daß schon in der Mitte des 4ten Jahrhunderts das deutsche Volk der Gothen, eins der mächtigsten, am