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— baß man nämlich mit Gewalt Das zu erzwingen suchte, was eine Frucht liebevoller Belehrung und freier Ueberzeugung seyn müßte — davon giebt uns der Kreuzzug gegen die Liefländer, zu dem der Papst Urban III. den Missionar Mainard sendete, einen recht traurigen Beweis. Mit Feuer und Schwert ward diesen armen Menschen das Evangelium gepredigt, was natürlich keine gedeihlichen Früchte bringen konnte. Dagegen bemühte sich Vizelin, Bischofs von Oldenburg und spater von Lübeck, mit Liebe die umwohnenden heidnischen Slaven zu gewinnen, und nicht ohne glücklichen Erfolg. Freilich schien dies wohl Vielen nur ein geringer Gewinn zu seyn gegen die großen Eroberungen der Muhamedaner und des Dschingischan in Asien, wodurch das Christenthum in diesem Theile der alten Welt, wo es zuerst sich erhob, hart bedrängt, ja ganz unterdrückt und vertilgt wurde; doch wenn auch nur eine Seele für das ewige Leben im lebendigen Glauben an den Heiland in Liebe gewonnen wird; so ist ja das- ein reicher, köstlicher Gewinn, und gewiß dürfen wir annehmen , daß unter den Pommern und Finnen und Slaven in eben dieser Zeit gar manche verirrte, heilsbedürftige Seele durch jene wackern Evangelisten dem treuen Hirten zugeführt worden ist.
Unter den Mannern, die als Boten des Heils und als Propheten durch Wort und Schrift und Leben in ihrem Vaterlanoe im Uten und 12ten Jahrhunderte, wo das Papstthum sich am mächtigsten erhob, segensreich gewirkt haben, sind vor Andern Anselm und Bernhard zu nennen. Der Erstere, in Piemont geboren, wurde Erz- bischoss von Kanlcrburv in England, wo er auch starb. Er stand im größten Ansehen wegen seiner Rechtschaffenheit und Gelehrsamkeit, und verfaßte mehrere Schriften, in einer kräftigen und deutlichen Sprache, über die wichtigsten Wahrheiten des christlichen Glaubens.
Bernhard, geboren in Burgund, Abt des Klosters zu Clairveaur, war ein Helles Licht in jener finstern Zeit des 12ten Jahrhunderts. Er wurde allgemein verehrt und von den Vornehmsten, selbst von Königen und von dem Papste, der sein Schüler gewesen war, hochgeachtet und um Nath gefragt. Ungescheut sagte er diesem und Allen, auch den Mächtigsten die Wahrheit. Er drang vor Allem