haben und wo er gestorben seyn soll, zählte man im vier­zehnten Jahrhundert an 8V,000 Waldenser, wie man über­haupt wohl alle diejenigen nannte, welche sich vom Papst­thums losgesagt hatten und zur unverfälschten Bibel­lehre bekannten. Selbst die Feinde gaben ihnen das schöne Zeugniß, daß sie durch ihr einfaches Aeußere und durch ihr ruhiges und bescheidenes Betragen sich von den Andern unterschieben, daß sie fleißig die heilige Schrift läsen, ohne Falsch seien und brüderliche Liebe übten. So wurden diese Verfolgten zu Missionaren, und streuten guten Samen aus in vielen Ländern, aus welchen später reife Frucht erwuchs, die noch in unsern Tagen sortwuchert. Doch blieben auch Mehrere in den Gegenden zurück, wohin sie sich zunächst zurückgezogen hatten, und bekanntlich leben noch jetzt in den picmontesischen Gebirgen, geschieden von der übrigen Welt, die Nachkömmlinge jener ersten Wal­denser, die mit dem alten Namen auch die alte einfache Sitte und Lehre beibehalten haben, ärmlich zwar, doch wenigstens ihres Lebens sicher und mit ihrem Geschick ziemlich zufrieden.

Im dreizehnten Jahrhundert sehen wir zwar die Preu­ßen und Litthauer, die länger als andre Völkerschaften an ihrem Götzendienste hingen, diesem entsagen; aber lei­der geschah dies auch erst nach einem langen und hitzigen Kampfe gegen die von Herzog Konrad herbeigerufenen Ritter des deutschen Ordens, der mit ihrer Unterjochung endete. Auch in Spanien wurde um dieselbe Zeit nur durch blutigen Kampf gegen die Saracenen einiges Land für die christliche Religion gewonnen, was ihr früher schon gehört hatte; doch wird von dem heldenmüthigen Jacob I. von Aragonien gesagt, daß er nicht blos mit dem Schwerte, sondern auch auf eine mildere, mehr herzgewinnende Weise unter der muhamedanischen Bevölkerung der eroberten Pro­vinzen das Christenthum zu verbreiten gesucht habe. Auch könnte man wohl die Gesandten, welche die Päpste zu den eindringenden tatarischen Horden schickten, um sie von ihren räuberischen Einfällen abzuhalten, in gewisser Hin­sicht Missionare nennen, in so fern sie nämlich zugleich angewiesen und bemüht waren, Proselvten zu machen; und gewiß konnte aus keine andere Weise besser jener Zweck erreicht werden, als wenn es ihnen gelungen wäre, die wilden Schaaren in wahre Christen zu verwandeln. Wir