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war: von eitler Selbstliebe und damit war eigentlich Alles gesagt; nur daß es eben dem natürlichen Menschen so schwer wird, ja ohne Gott unmöglich ist, dieß zu erkennen und, wenn er es erkennt, diese Eigenliebe zu besiegen. Ein anderes Mal, als mehrere arme Heiden um ihn versammelt waren, die mit Andacht ihm zuhörten, sagte er zum Schluß zu ihnen mit freundlichem Ernst: Glaubt ja nicht, als ob ich aus Verachtung gegen euch eure Religion tadelte. Nein! ihr seid meine Brüder; Gott hat mich und euch erschaffen, wir sind Kinder eines Vaters. Es schmerzt uns Christen aber, daß ihr diesen allmächtigen und gnadenreichen Vater verlassen und euch zu todten Götzen hingewendet habt, die euch nicht helfen können. So schließt denn euer Herz der ruhigen Ueberzeugung auf. Ihr seht ja, daß wir nichts Anderes von euch verlangen, als daß ihr euch mit uns zu dem lebendigen, allein wahren Gott wenden und durch Ihn selig werden sollt." Alle erklärten, sie seien von unsern redlichen Gesinnungen über­zeugt und möchten gern weiter mit uns darüber sprechen; und gewiß, durch eine so liebevolle und zugleich kräftige Ansprache mußte das Herz der Heiden im Innersten bewegt und für das Evangelium gewonnen werben; auch machten seine Worte selbst auf Gebildete und Vornehme unter Asiaten und Europäern einen tiefen Eindruck, daß sie sich nicht scheuten, öffentlich, auch vor Andersdenkenden, ihren Glauben und ihre Sinnesänderung zu bekennen. Ein Bramme war so aufrichtig, geradezu zu erklären:Die Ursachen, warum wir nichts nach eurer Religion fragen, sind Geiz, Stolz und Wo/lust." Bei allen diesen freudigen Erscheinungen, deren Schwartz mit innigem Danke gegen Gott gedenkt, und die allerdings ihn und seine Mitarbeiter sehr crmuthi- gen mußten, kann er doch nicht umhin, mit tiefem Schmerz des großen sittlichen Verderbens zu erwähnen, das damals unter den Europäern in Ostindien und gerade unter den Vornehmcrn so herrschend war. Sie wollen klagt er vom Worte Gottes nichts hören und stürzen sich selbst häufig in die fürchterlichsten Abgründe des Unglaubens hinab. Dadurch wurden auch die Fortschritte des Christenthums unter den Heiden und Muhamcdancrn gar sehr gehemmt: denn wenn auch jene Leichtsinnigen und Lasterhasten nicht geradezu der Bekehrung der Ungläubigen widerstanden, so