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unnützen Sorge bewahrt bleiben. Und sollte auch der Se» gen nicht alsbald zum Vorschein kommen, so erweckt doch Gott das Herz und wir dürfen bisweilen sagen: aber auf Sein Wort will ich das Netz auswerfen — und als sie dies gethan hatten, fingen fie eine große Menge von Fischen. Dieser Bibelspruch kommt mir oft in den Sinn, besonders da er der Text zu meiner ersten Predigt war, und durch ihn hat Gott Armuth des Geistes und zugleich ein kindliches Vertrauen auf sein Wort in meiner Seele erzeugt. Möge er dasselbe je mehr und mehr durch seinen Geist mir ins Herz drücken."
Was hier der Missionar schreibt, das kann oft auch bei uns der redliche Arbeiter im Weinberge des Herrn, der Lehrer und Prediger, von sich und seiner Arbeit sagen, und möge er sich mit diesen Worten trösten und starken.
In einem spätern Briefe vom Jahre 1771 ruft er «inem entfernten Freunde zu: „Ich wünsche, daß Sie stark seyn mögen in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Ohne ihn sind wir doch nichts und können nichts thun; sind wir aber mit ihm und seinem Geiste vereinigt, so sind wir stark genug, um alle Feinde unserer Seligkeit zu überwinden. Solche Kraft, die vom Herrn kommt, bedürfen wir täglich und stündlich, wenn wir nicht der Gewalt unsrer Widersacher unterliegen sollen; denn wir haben nicht blos mit Fleisch und Blut, mit schwachen Menschen zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewalligen, mit den Herren der Welt, die in der Finsterniß dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Der Apostel Paulus schildert unsere Feinde, ihre Macht und Bosheit, in einem wahren, d. h. in einem furchtbaren Bilde, nicht um uns vom Kampfe zurückzuschrecken, sondern um zum Ernst zu erwecken. Mit Trägheit des Geistes kommt man Nicht durch diese Welt, ein heiliger Ernst ist unumgänglich nöthig, um so listige und mächtige Feinde zu überwinden.
So lassen Sie uns denn stehen und unsere Lenden mit Wahrheit umgürten. Die Wahrheit des Evangeliums, welche im Glauben an den Herzog unsres Heils ihren Mit- tcl.punct findet, ist einem Gürtel ähnlich, der uns umschließt und unsere Kraft zufammenhält. Sobald wir die Wahrheit fahren lassen, wird unfer Gürtel laß, und wir zersplittern alsbald unsre Kraft. Da aber die Hauptwahrheit