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erwartet» ruhig, mit Ergebung in Gottes Wilkn, wohin »r berufen werden würde, ohne selbst etwas Näheres hierüber bestimmen zu wollen, da er mit Recht glaubte, hierbei sich aller Selbstsucht und alles Eigenwillens gänzlich begeben zu müssen.

Wie seine Gesinnung damals war und wie er den Schritt, den er zu thun fest entschlossen war, betrachtete, erhellt aus den Briefen an seine Schwester und aus seinem Tagebuche. Die Niedergeschlagenheit, schreibt er unter Anderm, mit der ich zuweilen zu kämpfen habe, scheint nicht aus Zweifeln über meine Annahme bei Gott zu entspringen, auch nicht aus entmuthigten Gefühlen meiner eignen Trägheit im göttlichen Leben; denn ich bin eher zu Selbstvertrauen und Einbildung geneigt sie entspringt vielmehr aus dem An­blicke der Schwierigkeiten, denen ich in meinem ganzen künf­tigen Leben zu begegnen haben werde. Wie es seyn wird, wenn die Prüfung kommt, weiß ich nicht; doch will ich vertrauen und mich nicht fürchten. Um Gottes Willen freudig zu thun, bedarf ich Liebe zu den Seelen der Menschen; ihn zu dulden, bedarf ich Demuth dieß sei der Gegenstand Deines Gebetes für mich. Die Aufmerksamkeit und Bewun­derung, welche man mir schenkt, ist groß und sehr gefährlich. Zwar schmeichelt Menschenlob meiner Eitelkeit jetzt nicht mehr, wie vormals; ich fühle eher Schmerz beim Hinblick auf seine künstigen Folgen: aber es ist ihm doch eigenthümlich, ganz unvermerkt Selbstgefälligkeit und Herzenshärte hervorzu­bringen." Wie wahr ist, was Martyn hier so aufrichtig bekennt!

Gewiß, wir versündigen uns oft, ohne daß wir es wissen und wollen, durch das Lob, das wir Andern, zumal jungen Personen, zu freigebig ertheilen, und nichts ist unserer Eitel­keit und Selbstliebe gefährlicher, als Lob und Bewunderung, gesetzt auch, daß Beides nicht ganz unverdient uns gezollt würde; ja eben dann, wenn wir fühlen, daß wir tüchtig sind und etwas Gutes geleistet haben, ist jenes Lob um so gefährlicher und das Gebet um Demuth um so nöthiger, eben darum sollte immer der Spruch lebendig vor der Seele stehen: Wenn wir Alles gethan haben, so sprechet: Wir sind nnnütze Knechte, wir haben gethan, was wir zu thun schnldig waren - und wer mag vor Gott sich rühmen, daß er vollkommen seine Schuldigkeit gethan?

In seinem Tagebuche, das er, wie er selbst ausdrücklich bemerkt, deshalb niederschrieb, um sich an Seldstprüfung zu