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gewöhnen und seiner Erfahrung eine sichtbare Gestalt zu geben^ so daß sie einen stärkcrn und bleibendem Eindruck auf sein Gedächtniß mache und seiner Seele einen Zuwachs an Heilig­keit gebe in diesem Tagebuche aus jener Zeit, das man ganz eigentlich einen Spiegel seines Herzens und seiner Gesinnung, eine Geschichte seines innern Lebens nennen kann macht er unter andern folgende Bemerkungen, die seine Ergebung in Gottes Willen, seine genaue Selbstbeobachtung und Prüfung, feine Demuth und feinen Eifer für das heilige Misstonswerk, dem er sein Leben geweiht hatte, aber zugleich auch sein aufrichtiges Bestreben, selbst immer besser und Gott wohlgefälliger zu werden, bezeugen:

Ich war in Unruhe beim Hinblick auf mein künftiges, mit Schwierigkeiten umgebenes Werk; aber ich vertraute darauf, daß ich unter der Leitung der unendlichen Weisheit sey, und auf diese konnte ich mich ja verlassen. Einer, der von einer Mission zurückgekehrt war, sagte, daß das Kreuz, welches man ertragen muß, weit großer sey , als man sich vorstellen könne; aber ich achte deren keins, ich halte mein Leben auch selbst nicht theuer, auf daß ich vollende meinen Lauf mit Freuden.

Was ist der Zustand meiner Seele vor Gott? Ich glaube, er ist seiner Grundlage nach gut; ich verlange kein ander Theil, als nur Gott; aber doch lebe ich so viele Stunden hin, als wenn kein Gott wäre. Ich lebe mit­unter der Hoffnung, dem Troste, der Heiligkeit des Evan­geliums; aber sei du nicht trage, meine Seele! sieh auf Jesum, den Anfänger und Vollender deines Glaubens. Darum will ich kein Vertrauen aus das Fleisch setzen, son­dern im Herrn mich freuen und die Freude des Herrn soll meine Kraft seyn. Ach, daß ich von oben ein reines, de- müthiges, wohlwollendes, ein himmlisches Herz erhielte!

Gleich deS Morgens beim Erwachen hatte ich mich bemüht, meine Gedanken mit Liebe auf Gott, als meinen Vater, festzuhalten. Meine ersten Gedanken bewachen, sie demüthig und andächtig zu machen suchen, das ist eine vortreffliche Vorbereitung zum Gebete und zu einem guten Geiste den Tag über. Ich war den größten Theil deK Tages in einem solchen Zustande; gegen Abend, da ich suchte, diese gute Stimmung durch eigne Kraft zu be->