wecklichsten Stellen der heiligen Schrift lernte er auswendig und wiederholte sie auf seinen einsamen Spaziergängen. Durch die Erfahrung von der großen Kraft des Gebets überzeugt, widmete er ihm nicht nur besondere Stunden jedes Tages, früh und Abends, sondern auch ganze Tage, besonders den Sabbath, den er dadurch vorzüglich zu heiligen bestrebt war und der so wirklich für ihn ein Tag heiliger Ruhe wurde, und ihm ein Vorgefühl des ewigen seligen Friedens in Gott gab.
Man hätte meinen sollen, ein so unbescholtener, in seinem Amte so eifriger, so liebevoller Mann könne unmöglich von Andern verleumdet, oder auf irgend eine Weise unfreundlich behandelt werden; aber dennoch entging er auch dieser Prüfung nicht, und so weh es ihm that, bei so reinen Absichten und so redlichem Streben verkannt zu werden; so betrachtete er doch auch dieß als etwas Heilsames und trug es mit Geduld und frommer Ergebung; ja er fürchtete dergleichen Anfechtungen weniger, als den Beifall der Menge, wenn er mit Begeisterung das Wort des Lebens verkündigte. Die' Kirchen, wo er predigte, waren immer gedrängt voll, und so erfreulich ihm dieß auf der einen Seile seyn mußte und wirklich war; so konnte er doch nicht ohne Besorgnis! die Beifallsbezeigungen seiner Zuhörer wahrnehmen — er kannte sein schwaches, durch das Lob der Menschen leicht reizbares Herz und fürchtete, die Flamme eitler Ehrbegierde, die er zu unterdrücken so eifrig bemüht gewesen war, möchte durch jenen Beifall, sey er auch nicht ganz unverdient, von neuem angefacht und genährt werden.
Der Christ und besonders der christliche Prediger — das war seine innige Ueberzeugung — muß durch böse Gerüchte und durch gute Gerüchte gehen, und das Lob ist eine schärfere Prüfung für ihn, als der Tadel. Er gedachte oft an die Worte des 27sten Psalms und hielt sie auch Andern vor: Ein Mann wird durch den Mund des Lobers bewährt, wie das Silber im Tiegel und das Gold im Ofen. —
Es kam nun die Zeit, wo er Vaterland, Verwandte und Freunde verlassen, vielleicht auf immer verlassen sollte, um in fremden Landen das Evangelium zu predigen. So sehr er dieß gewünscht und eben darin das Ziel seines irdischen Lebens erkannt hatte; so schmerzlich war