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ihm doch jetzt die Trennung von dem, was er, nach Gott und dem Heiland, am meisten liebte ; denn sein Gefühl war eben so lebendig, als tief und innig; doch fand er in dem christlichen Glauben Trost und Stärkung, daß in Christo Alle, die ihn lieben und an ihm fest halten, innig und eng vereint sind, und daß im großen Vaterhause Alle um ihn versammelt seyn werden.

Durch anhaltendes kindliches Gebet war er so ruhig und fest geworden, daß er sich voll himmlischer Freude über alles Irdische zu Gott erhoben fühlte und daß ihm nichts begehrungswürdig erschien, als Gott zu verherrlichen und ihm zu dienen. In einem Briefe an seine Schwester schreibt er:Wir sollten es als ein gutes Zeichen der gött­lichen Gnade betrachten, wenn der Herr uns offenbart, welch ein trotziges und verzagtes Ding unser Herz ist; denn macht er, daß wir darunter, wie unter einer uner­träglichen Last, seufzen; so dürfen wir auch hoffen, daß er uns zu rechter Zeit Befreiung davon gewahren werde. Oft steigt noch .eine gewisse Selbstgefälligkeit in mir auf, welcher Einhalt gethan werden muß. Wir sind verpflichtet. Aller Knechte zu seyn, so weit, als es ihnen Nutzen schaf» fen kann, ihrer Wünsche zu warten; wir sollen nicht auf das Unsre, sondern auf das, was des Andern ist, sehen."

Nichts konnte ihn mehr betrüben, als wenn er dieses trotzige Herz bei irgend einem seiner nähern Bekannten ungebeugt in seinem verstockten stolzen Sinn beharren sah, und er mußte leider diese schmerzliche Erfahrung auch jetzt noch bei seinem Abschiede von der Heimath machen. Seine Ermahnungen, seine Bitten waren umsonst er konnte nichts thun, als die arme Seele Gott im Gebete empfeh­len, der ja will, daß Allen geholfen werde und daß Alle zur Erkenntniß der Wahrheit kommen der nicht will den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe.

Wohl sind das treffliche herrliche Worte; aber kann denn der Allgütige, wenn er auch will, das stolze Herz zwingen, sich ihm zu ergeben? Wohl kann die Allmacht die Wuth des Sturmes augenblicklich besänftigen und den empörten Wellen gebieten: bis Hieher und nicht weiter! aber das stolze Herz widersteht der ewigen Liebe und will die Stimme dcs Vaters nicht hören, die es zu sich ruft. Doch wird manches widerspenstige Gemüth gewonnen, mancher

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