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hatte Sinn gebrochen und erweicht, und daS ist wahrlich ein größeres Wunder, und auch ein erfreulicheres, als wenn die wildbewegten Lüste sich beruhigen und die tobenden Meercswogen besänftigt sich legen.
Ungeachtet er im demüthigen Gefühl seiner Schwache und Unwürdigkeit keinesweges mit sich zufrieden war; so konnte er doch in Wahrheit vor Gott bezeugen, was wir in seinem Tagebuche vom 1. Jan. des I. 1805 niedergeschrieben finden: „Bis hiehec hat mir der Herr geholfen. Meine Fortschritte sind neuerlich langsamer gewesen, als vormals; doch kann ich in Wahrheit sagen, daß im Laufe dieser Zeit jedes Jahr, jede Woche glücklicher waren als ihre Vorgänger. Vor vielen gefährlichen Fallstricken hat wich der Herr bewahrt; trotz aller meiner innern Widersetzlichkeit hat er sein Werk in meinem Herzen fortgesetzt und trotz aller meiner ungläubigen Besorgnisse hat er mir eine Hoffnung gegeben voll der Unsterblichkeit — er hat meine Füße auf einen Felsen gestellt und macht meine Tritte gewiß. Es ist der Anfang eines bedenklichen Jahres- für mich (wo er nämlich als Missionar unter die Heiden gehen sollte); doch fühle ich wenig Besorgniß. Dieselbe Gnade und Langmuth, dieselbe Weisheit und Macht, die mich so weit gebracht haben, sie werden mich weiter fördern, wäre es auch durch Feuer und Wasser, zu einem guten Erbe. Ich sehe kein Geschäft vor mir im Leben, als Christi Werk, auch wünsche ich mir keine andere Arbeit in Ewigkeit, außer seinem Dienst. Meine täglichen Vergehungen und meine beständige Verderbniß lassen mir keine Hoffnung außer der, welche auf Gottes Barmherzigkeit in Christo gegründet ist. Ich hoffe, sein Geist ist mir mitgetheilt und er erneuert meine Natur. Gott, dem Vater, Sohne und heiligen Geiste, will ich aufs Neue feierlich mich hingeben, sein Diener zu seyn auf ewig."
Mit der Vollendung des 24sten Lebensjahres erhielt er in London öffentlich die höhere Priesterweihe — eine an sich sehr ernste und feierliche Handlung, die auf ein Gemüth, wie das seinige, einen sehr tiefen und gesegneten Eindruck machen mußte, und nun schickte er sich an, England zu verlassen. Bei der Abschiedsvcedigt war er nicht weniger schmerzlich bewegt, als seine zahlreich zum letzten Male um ihn an heiliger Stätte versammelte Gemeine, die,