sehr steil; aber die Hoffnung, bald oben zu seyn und der herrlichen Aussicht sich zu erfreuen, machte ihm das Hinauf­steigen leicht. Da erblickte er plötzlich eine herrliche, hellglän­zende Blume, die ihm wie ein Bild von des Himmels Freude und Herrlichkeit erschien, wenn er sich der müden Seele, nachdem ihre Wallfahrt vollbracht und der Tvdcskampf vorüber ist, öffnen wird. Doch ein größeres und erhabeneres Bild bot ihm der Anblick von der erstiegenen Höhe dar.

Wie da das unendliche Meer im hellen Sonnenglanze vor ihm lag und frischere Lüfte mit stärkendem Hauche ihn umwehten, so die Ewigkeit im göttlichen Lichte vor dem Auge des vom Tod' Erwachten, wenn er, über das Irdische erhoben, den Odem des neuen, höhcm Lebens athmet.

Wohl läßt sich das menschliche Leben eben so passend mit einem Hinaufsteigen zum Gipfeleines hohen Berges vergleichen, als mit dem Hinabsteigen zur dunkeln Tiefe eines Schachtes. Wir gleichen wie dem Pilger, der mit Anstrengung, doch voll Hoffnung, auf steilem, oft unweg­samem und beschwerlichem Pfade zur Höhe emporsteigt, wo ihn, nachdem er des Tages Last und Hitze getragen, die erquickende Abendkühle empfängt, und, nach kurzem Schlummer, der Strahl der Morgensonne zum neuen, kräftigen Leben weckt so dem Bergmann, der im Dunkel nach dem nützlichen Eisen und nach dem Golde der Wahr­heit gräbt und es unter vieler Mühe und Arbeit zu Tage fördert. Oft arbeitet er auch lange umsonst; doch bleibt zuletzt, bei redlichem und unermüdetem Fleiße, der Segen nicht aus, und wenn er nach vollbrachtem Tagewerk herauf­steigt ans Licht, begrüßt ihn der freudige Zuruf: Glückauf! und in der Hcimath empfangen ihn die Lieben und er ruht aus von seiner Arbeit und hat jeglicher Beschwerde vergessen, wenn er am Morgen neugestärkt erwacht.

Das Vorgebirge der guten Hoffnung, auf dessen Höhe er jetzt stand, hatte für ihn in diesen Augenblicken, wo er sich so selig erhoben und begeistert fühlte, so recht den Namen mit der That. Der Blick auf das Meer, das ihn bald an den Ort seiner Bestimmung, nach Ostindien, bringen sollte, erfüllte seine Seele mit frohen Hoffnungen, und er sehnte sich hinüber, von wo er den Ruf zu vernehmen glaubte: Komm und hilf uns!