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Die Fahrt nach Indien war eine neue Prüfung für ihn. Gerade die Gebildetem von der Schiffsmannschaft bezeigten die größte Abneigung gegen seine Ermahnungen. Seine ganze Seele rang im Gebet mit Gott, um Muth und Freudigkeit zu erhallen, und er versichert, solche Kraft und Freude dabei empfunden zu haben, wie noch nie vorher. So selig war er in dieser Stimmung, in welche ihn das Gebet versetzte, daß er ausrufen konnte: Ich bedarf kein anderes Glück, keinen andern Himmel! — Mit solchen Gefühlen nahte sich Marlyn der hindostanischcn Küste, und den 19. April zeigte sich deutlich von fern die Insel Ceylon, gleich einer maßig hohen, lang ausgedehnten Bergrecht, und erquickende Wohlgerüche wehten ihm entgegen. Bald auch erblickte man das feste Land von Indien selbst und schon den 22. April ankerte das Schiff auf der Rhede von Madras. Wehmüthig war ihm der Anblick des zahlreichen Volkes, das noch den Götzen diente, und ein Gedanke vor allen war es, der sein Inneres erfüllte und bewegte: Möchte ich doch nicht umsonst hierher gekommen seyn, und möchte doch nur eine Seele durch mich dem Heiland zugeführt werden!
Der erste Eindruck überhaupt, den das Land mit seinen Bewohnern auf ihn machte, war nicht erfreulich. „Der Anblick — sagt er — von Mannern, Weibern und Kindern, die alle Götzendiener sind, macht mich schaudern, wie im^ Gebiet der Finsterniß. Mich dünkt, der Zorn Gottes tritt hier in sichtbaren Gestalten hervor. Die Decke, die über allen Völkern liegt, scheint hier dichter, als irgendwo, zu seyn; in diesem Lande scheinen die Geister der Finsterniß in mürrischer Ungestörtheit zu sitzen. Etwas besonders Ergreifendes liegt in der tiefen Stille, die allenthalben herrscht. Mag es dem erschlaffenden Klima oder einer andern Ursache zuzuschreiben seyn, so viel ist gewiß, daß hier Alles den Geist niederdrückt. Die ganze Natur siecht." Die erste Predigt, die er am nächsten Sonntage in Madras hielt, war über die Worte: Eins ist noth! — und er fand zu seiner großen Freude aufmerksame Zuhörer.
Dennoch konnte er bisweilen einer gewissen Muthlosigkeit nicht ganz Herr werden, wenn er das im Götzendienst so tief versunkene Volk erblickte, und es schien ihm fast unmöglich, hier etwas zu wirken, so schwach und erschlafft fühlte er sich selbst, und statt mit neuer Kraft und Lust am Morgen