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aufzustehen, fühlte er sich im Gegentheil von Schwermuth niedergedrückt. Allerdings war dieß wohl mit die Wirkung, des erschlaffenden Klima's aus seinen, für solche Einflüsse sehr empfänglichen Körper; aber auch jetzt siegte der Geist, der durch den Glauben und die Liebe erhobene Geist, über die leibliche Schwäche. In Madras sollte er jedoch nicht bleiben. Die Flotte segelte bald weiter, und auf dieser Fahrt längs der ostindischcn Küste war ihm besonders der Anblick der großen Pagode des Götzen Juggcrnaut erschrecklich , dieses scheuslichen Altars des Menschenblutes und der Fleischeslust, was ihn zugleich zum innigsten Mitleid gegen diese unglückliche, dem Fürsten der Finsterniß dienende Menge bewegte und das brünstige Verlangen in ihm aufregte, zu helfen und zu retten.
Nach einem heftigen Sturme, wo das Schiff bei einbrechender Nacht in der größten Gefahr gewesen war, zu scheitern, gelangten sie endlich wohlbehalten nach Calcutta. „Meine lange und beschwerliche Reise ist nun vollendet (schreibt Martyn von da an einen Freund in England) und ich bin endlich in dem Lande angekommen, wo ich im Werke des Herrn meine Tage zubringen soll. Kaum kann ich'S noch glauben, daß ich so glücklich bin, in Indien zu seyn. Doch das hat der Herr gethan. Durch die verschiedensten Himmelsstriche und über stürmische Meere hat er sein schwaches Geschöpf an diese Arbeitsstätte geführt, und ich hoffe, er wird mich bald zu seinem Werke ausrüsten. Tag und Nacht höre ich nicht auf, für Sie zu flehen, und ich bin gewisi, daß auch Sie meiner vor dem Gnadenthrone gedenken werden. Ich fühle es, meine Schuldigkeit ist die, mein Tagewerk, als Einer, der dazu gedungen ist, zu vollenden und dann die Welt zu verlassen. Amen! Wir treffen einander in einer bessern Welt wieder." —
Schon längst hatten die eifrigen Freunde des Christen» thum s in Calcutta gewünscht, daß einige neue Boten des Heils auS Europa nach Indien gesendet werden möchten, und i!m vereinten Gebet darum gefleht; so wenig auch im Allgemeinen die Europaer in Indien, und eben die, welche am n «eisten dafür hätten thun können und sollen, sich darum kümmierten. Man kann denken, wie erwünscht jener, freilich kleinen Zahl, Martvns Ankunft war, dessen ganz der Verkün- digun g des Evangeliums hingegebenen Sinn sie bald erkannten.