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so Mangelhaftes und Geringes, daß es uns keineswegs vor
Gott rechtfertigen kann. Es ist wahr, was Luther sagt: Bei Gott gilt nichts denn Gnad' Und Gunst, die Sünde zu vergeben; es ist doch unser Thun umsonst, auch in dem besten Leben. Vor Dir sich Niemand rühmen kann; es muß Dich fürchten Jedermann und Deiner Gnade leben. —
Selbst unter den Predigern waren einige, die ihn anfeindeten und sogar öffentlich unverhohlen gegen ihn sprachen.— Da galt es einen ernsten Kampf, um die christliche Liebe zu bewahren: aber mit Gott gelang es ihm, und das Gefühl der Seligkeit, das er empfand, war so stark, daß er in seinem Tagebuche von sich sagen konnte: „Der segensreiche Gott hat in seiner Kraft wieder meine Seele heimgesucht und Alles, was in mir ist, pries seinen heiligen Namen. Ich fand meinen Himmel schon auf Erden angefangen. Kein Geschäft ist doch so lieblich, als das des Gebetes und «in Leben ganz dem Dienste Gottes." — So schrieb er, nachdem er mit einigen glsichgesinnten Freunden (denn auch an diesen ließ es ihm Gott nicht fehlen) im gemeinsamen Gebet sein Herz zu Gott erhoben und gestärkt hatte. Das war ihm jetzt um so nöthiger, da er die Weisung erhielt, Ealcutta zu verlassen und als Missionar nach Dinapore.zu gehen. Während der Fahrt dahin, in die unbekannte Gegend unter die Heiden, fühlte er sich, wenn bisweilen das Gefühl der Verlassenheit und eine gewisse Verzagtheit schwer auf seiner Seele lag, immer wunderbar gestärkt durch das Gebet. „Das Gebet — schreibt er — half auf der Stelle ab, so daß ich im Ganzen Gott nahe und glücklich war." Und nicht blos in dem eignen Gebet fand er das Wort der heiligen Schrift bestätigt: Nahst euch zu Gott, so nahet er sich zu euch — er war auch fest überzeugt, daß das fromme Gebet seiner Freunde und Lieben für ihn heilsam auf seine Seele wirke, und darum betete er auch so oft und so inbrünstig für Andere.
Das Gebet des Gerechten vermag viel, wenn es ernstlich ist, — das gilt wohl nicht blos von der Wirkung aus den Beter selbst, sondern auch auf Andere, und Paulus ermahnt ja wiederholt zum Gebet für Andere, für ihn selbst — auch für die Entsernten. Es ist leider wahr — wir bedenken und achten zu wenig das Gebet;