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wir bringen uns so nicht nur selbst und Andere um einen großen Segen, wir versündigen uns auch auf eine höchst strafbare Weise. O, wenn doch das Alle recht bedenken wollten, und Jeder, der dieses liest, recht ernstlich sich es vornähme, oft und mit ganzer Seele im Gebet sich zu Gott und dem Heiland zu nahen, der ja selbst uns zuruft: Bittet, so Wird ench gegeben! ja der die Worte des Gebetes selbst uns vorgesprochen und in den Mund gelegt hat.

Aber mancher Unglückliche kann nicht! be­ten- ja das ist wohl ein großes Elend nicht beten können doch das Schlimmste von Allem ist nicht beten wollen. Wer nicht beten kann, aber doch die Qual und das Elend dieses Seclenzustandes tief empfindet der ist nicht verloren der himmlische Vater wird ihn nicht untergehen lassen in seinem Elend er wird ihn wieder zu sich ziehen und an sein Herz emporheben. Schon das innige Verlangen nach Gottes Nähe ist ein Gebet und fühlst Du Dich selbst noch unfähig, mit Gott zu reden, so bitte einen frommen Mann, in Deinem Namen und mit Dir laut zu beten, und Du wirst, wenn Du auch nicht Worte finden könntest, doch gewiß mit dem Betenden Dein Herz zu Gott erheben und seine beseligende Nähe empfinden.

Aber wer nicht beten will das ist schrecklich! Der ist der Verdammniß ganz nahe und nur durch ein Wunder vom ewigen Verderben zu retten. Das ist eine satanische Gesinnung; denn sie zeugt von dem größten Stolze und von dem unbändigsten Trotze, der sich nicht demüthigen mag unter die gewaltige Hand Gottes und nichts wissen mag von seiner Gnade. Wie soll, wie kann hier die ewige Liebe selbst helfen! Kaum ist es denkbar, daß es ein so verstocktes und ganz verhärtetes Herz geben sollte, und doch haben Einzelne noch in den letzten Stunden mit Hohn und frechem Uebcrmuch jede Aufforderung zum Gebet und jeden Trost der Religion von sich gewiesen.

Auch der Segen des gemeinsamen Gebetes sollte mehr gesucht werden, als es gewöhnlich geschieht, und wir sollten öfter des Wortes eingedenk seyn,' was der Heiland spricht: Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.