— 133 —
Menschen zu leben vergönnt ist? — Es fährt schnell dahin, als flöge» wir davon.
Herr — so müssen wir jeden Morgen beten — lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden! Ja, lehre doch mich, daß es ein Ende mit mir haben muß, und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muß. Siehe! meine Tage sind einer Hand breit bei Dir und mein Leben ist wie nichts vor Dir. Wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben! Sie gehen daher, wie ein Schemen, und machen ihnen viel vergebliche Unruhe —sie sammeln und wissen nicht, wer es kriegen wird. Nun, Herr! wes soll ich mich trösten? Ich hoffe auf Dich — Du wirst es wohl machen. — Ja erschreckend zugleich und erfreulich ist das Gefühl der schnellen Flucht der Zeit -— erschreckend bei dem Gedanken an das Gericht und an die Rechenschaft, die wir von der verlebten Zeit dem Allwissenden, Heiligen geben sollen — und erfreulich — denn der Strom des irdischen Lebens in seinem schnellen Laufe führt uns dem gelobren Lande zu, das wir erreichen sollen — dem Heiland, bei dem wir ewig seyn sollen, und den theuern Seelen, die uns vorangegangen sind, mit denen vereint wir in der höhern Welt im Dienste Gottes leben und wirken werden. Aber dieser seligen Hoffnung darf sich nur Der getrosten, der demüthig sich selbst verleugnet und Alles von der göttlichen Gnade erwartet. — Doch darfst Du nicht schlummern und Dich träge von der Fluch forttreiben lassen — nein! wachen und beten mußt Du und arbeiten und ringen und fleißig nach dem Eompaß sehen, den Dir der Schiffsherr mit ans die Reise gegeben hat, damit Du den rechten Weg nicht verfehlst und mitten durch die Klippen sicher hindurchfahrst. So nur wirst Du das Ziel wohlbehalten erreichen, auch wenn der Himmel sich verhüllt und der Sturm sich erhebt und verführerische Stimmm Dich vom geraden Laufe seitwärts verlocken wollen. Das Leben ist ein Kampf und eine Wallfahrt in der Fremde, und die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen GvtteS thut, der bleibt in Ewigkeit.