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In der weiten Entfernung von der Hcimath und von allen seinen Lieben, mitten in dem fremden, vom Götzen­dienste erfüllten Lande, wo er keine befreundete, gleichgestimmte Seele fand, die ihn ganz verstanden hatte, der er sein In­nerstes mittheilen konnte, war es ihm eine ganz besondere Freude und Stärkung, wenn er einmal Briefe von seinen Freunden aus Calcutta und aus England erhielt.Wie süß, bemerkt er hierbei in seinem Tagebuche, sind doch die Freuden christlicher Freundschaft, und was muß erst der Himmel seyn, wo es nichts als demüthige, liebreiche und heilige Kinder Gottes giebt?" Es ergriff ihn die Sehnsucht nach oben;doch, setzt er sogleich hinzu, gern will ich noch einen kurzen Augenblick arbeiten und Schmach leiden!" Am meisten aber schmerzte ihn, was er auch hier wahrnehmen mußte, die große Gleichgiltigkeit seiner eignen Landsleute gegen das göttliche Wort, die sich doch Christen nannten, und ihr entsetzlicher Leichtsinn, der jeden ernsten Gedanken, jede Mahnung an Tod und Ewigkeit, an Gericht und Vcr- dammniß von sich wies.

Das Ende des Jahres erweckte von Neuem lebhafter als je in seiner Seele den Gedanken an die Kürze des schnell dahineilenden irdischen Lebens, und am ersten Tage des neuen JahreS schrieb er folgende Betrachtung nieder: Sieben Jahre sind nun verflossen, seitdem mich Gott zu sich gerusen hat wie wahrscheinlich ist es mir, daß / ehe noch sieben künftige Jahre verflossen sind, diese Hände im Staube modern. Doch sey es auch! meine Seele hat durch die Gnade die Versicherung des ewigen Lebens erlangt und ich sehe die Tage meines Pilgerlauses sich verkürzen, ohne daß ich wünsche, ihrer Zahl zulegen zu können. Aber möchte ich doch immer munterer werden in der Erfüllung meines großen und verantwortungsvollen Bexuss, und mit Hint­ansetzung aller irdischen Sorgen und Studien, mich diesem Einen ganz hingeben. Ich war ein unnützer Knecht; aber der Herr hat mich nicht verworfen. Ich war eigensinnig Und bös; dennoch hat er mich aus dem Wege nach Zion gefördert. Hier nun will ich mit siebenfacher Dankbarkeit und Liebe still halten und mich dem segensvollen Äienste meines anbetungswürdigen Herrn auf's Neue hingeben. Möge er mir seine Geduld, Gnade, Leitung und geistige Förderung erhalten; so werde ich sicherlich am Ende über-