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winden. Möge er auch bald meine Zunge lösen, die Geheimnisse seines Evangeliums zu offenbaren, und möge er in großer Barmherzigkeit verleihen, daß die Heiden es aufnehmen und leben."
Gelegenheit, die Wahrheit zu verkündigen, wurde ihm zwar wohl nicht selten gegeben, und er benutzte sie eifrig; aber sie schien wenig Eindruck zu machen, besonders bei den gebildetem Muhamedanern, mit denen er in nähere Berührung kam. Ihr Stolz und ihre vermeinte Weisheit, auch wohl ihr Glaube an den Koran, als göttliches Wort, verhinderte sie, den Belehrungen des Evangeliums Gehör zu geben. Dieselbe Verstocktheit und denselben thörichten Hochmuth fand er, wie gesagt, bei den meisten der sogenannten Christen, und gerade bei denen, die sich zu den Gebildeten rechneten und es wirklich auch waren. Am meisten fand er noch empfängliche Herzen und willige Hörer unter den Armen und Elenden im Hospital; darum ging er auch lieber in das Haus des Jammers und der Thränen, als in die glänzenden Wohnungen der Freude und des Wohllebens. „Wer glaubt unserer Predigt? ruft er trauernd und entrüstet mit dem Propheten aus. — Wie furchtbar erscheint mir der Gedanke, daß beinah die ganze Well gegen Gott und seinen Christus verbündet ist! Ach, lehre mich meine Seele in Geduld fassen, und ob auch die Ungerechtigkeit überHand nehme, möge ich nie erkalten, sondern durch alle diese Finsterniß und Gefahr wohlbehalten zu einer seligern Welt geführt werden. Tausenden vielleicht wird meine Predigt ein Geruch des Todes zum Tode seyn; doch will ich unverrückt den Pfad verfolgen, den mir der Herr vorgezeichnet hat, und vielleicht wird eine arme Seele durch Das, was sie von mir gehört hat, bekehrt. Wenn aber auch nicht, so habe ich doch das Meinige gethan."
Schmerzlicher noch, als die Befangenheit im Aberglauben, war es ihm, wenn er bei mehrern Hindus eine völlige Gleichgültigkeit gegen alle Religion bemerkte, so, daß sie wohl, um gewisser Bortheile willen, sich hätten bereden lassen, mit dem Munde sich zum Christenthum- zu bekennen, was mancher römisch-katholische, jesuitisch gesinnte Missionar gern angenommen hätte. Er war so weit davon entfernt, «in solches Bekenntniß zu billigen, oder gar zu befördern> daß er laut erklärte, wenn auch alle Bra-