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ruhigung, indem er es als den Willen GotteS betrachtete, dem sich ganz zu crg»ben, er für die heiligste Pflicht hielt; dagegen, einen eignen mit dem göttlichen nicht übereinstim­menden Willen zu haben, ihm als eine höchst furchtbare Bosheit erschien. Eine große Freude machte ihm die glückliche Vollendung der Uebersctzung der heiligen Schriften des neuen Bundes in's Hindustanische, an der er so lange mit der größten Anstrengung gearbeitet hatte, und deren? Correctur wahrend des Druckes ihn fortwährend viel be­schäftigte. Dabei leitete er die einem gelehrten, zum Chri- stcnchume übergetretenen Araber aufgetragene persische Ueber­sctzung derselben Schriften und trieb das Arabische vornehm­lich auch in der Absicht, um einst, wo möglich, noch eine treuere Übertragung der Bibel in diese so iveit verbreitete Sprache zu liefern. Mit jenem gelehrten Araber las er den Koran, um die Muhamcdancr mit ihren eigenen Waffen schlagen zu können. Es bot sich ihm sehr bald dazu eine Gelegenheit dar er machte nämlich auf einer Reise einen Besuch bei einem angesehenen Muhamedaner, einem Nabob, der ein wißbegieriger und zugleich ein ver­ständiger, freisinniger und wohlwollender Mann war. Er begann seine Unterredung mit der Bitte um Erklärung der Nothwendigkeit des Geschicks und des freien Willens, und Martyn dagegen verlangte die Beweise für die Wahrheit und Göttlichkeit der Religion Muhameds. Daß der erste Beweis, den er vorbrachte, die beredte Sprache des Korans, nicht genüge, mußte er bald selbst zugestehen, und als Martyn ihm einige Stellen des Korans anführte, die offen­bar falsch und sinnlos sind, wußte er sich zuletzt blos damit zu helfen, daß er dem Missionar nicht genügsame Kennt­niß der Sprache Schuld gab, die ihn den eigentlichen Sinn mißverstehen lasse. Doch machte sein scheinbar aufrichtiges Wesen und sein Versland unserm Martyn Freude und gern folgte er seiner Einladung zu einer zweiten Unterredung, wo der Nabob ihn nach den Grundlehren des Chri- stenthnms fragte, die Martyn ihm möglichst einfach und bündig vortrug, nämlich die Lehren von der Ver­söhnung, von der Gottheit Christi, dem allge­meinen sittlichen Verderben des Menschen, und von der Nothwendigkeit der Wiedergeburt und eines heiligen Lebens. Er hörte aufmerksam