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hatte, um sie nie wieder zu sehen, und der himmlischen, nach der seine Seele sich sehnte und in die er bald aufgenommen werden sollte. —
So sehr auch dieses still beschauliche Leben seinem Gemüthe zusagte, so vergaß er doch darüber nicht seines Berufes, unter den Bekcnnern des Islams als Aeuge der göttlichen Wahrheit und als Herold des Evangeliums aufzutreten; und so entschloß er sich zu einer öffentlichen Disputation mit den muhamedanischen Lehrern und namentlich mit dem vornehmsten Lehret des Gesetzes, einem Mann von großem Ansehen in Schiratz, der in letzter Instanz alle mit seinem Amte in Verbindung stehenden Handel entschied.—.
„Wir kamen — so erzählt Martvn — von dem Mutschtuhid (d. h. erstem Lehrer), zu Tische geladen, um 8 Uhr Abends zu ihm. Er saß da im vollen Staate mit einer großen Schaar seiner gelehrten Freunde. Seid Ali ließ er sich zur Rechten, mich zur Linken setzen. Alles um uns her verrieth Reichthum und Behaglichkeit, und die -braunliche Wohlgenährrheit des kleinen Mannes ließ mich vermuthen, daß die Küche ihm näher, als die Gelehrsamkeit liege. Aber als er zu sprechen anfing, sah ich Ursache genug, warum er so bewundert wird. Zwar war der Inhalt seiner Rede mager; aber er sprach mit ungc- meiner Geläufigkeit und Klarheit und schien dazu seiner Sache recht gewiß zu seyn. Eine volle Stunde lang sprach er über die Seele, wie sie vom Körper verschieden und den unvernünftigen Thieren überlegen sey; über Gott, seine Einheit, Unsichtbarkeit und andere allgemein anerkannte Wahrheiten. Darauf sagte er, die Philosophen hätten bewiesen, daß ein einziges Wesen auch nicht mehr als ein einziges Wesen hervorbringen könne. Das Erste, was Gott geschaffen, sey die Weisheit, die ihm vollkommen gleich sey; nach ihr die Seelen der Menschen und der siebente Himmel und so fort, bis Gott am Ende die Materie hervorgebracht, welche eine blos passive Existenz habe. Sie werden aber bemerken, fuhr er fort, daß zunächst bei Gott ein Wesen seyn muß, das Gott gleich ist; denn da es ihm seinem Standpunkt nach gleich ist, so muß es auch gleiche Würde mit ihm besitzen. Was dieses Wesen ist, darüber sind die Philosophen unter sich nicht einverstanden. Sie sagen, es sey Christus; wir sagen, es sey der Geist