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der Propheten. Er sagte noch vieles Andere, was sich leicht hätte widerlegen lassen, weil es bloße Träumereien waren; aber Martyn mochte nicht darauf eingehen, weil es Behauptungen waren, aus deren Wahrheit oder Unwahrheit in der Religion nichts ankam. Er war entschlossen, ih» ohne Gegenrede fortsprechen zu lassen, bis er aus den eigentlichen Streitpunkt käme, nämlich auf die Beweise für die Göttlichkeit der Sendung Muhameds und des Korans. Aber der geschwätzige Perser vermied es, diesen Punct zu berühren, bis Martyn, von einem der Anwesenden wiederholt erinnert, ihn dazu aufforderte. Er zählte nun alle die Männer auf, die Muhameds Wunderthaten bezeugt haben sollen. Als Martyn ihm bemerklich machte, daß es keinen einzigen Augenzeugen jener angeblichen Wundergeschichten gäbe, mußte er dieß zwar einräumen; doch, meinte er, seien Beweise genug dafür vorhanden, was aber Martyn mit gutem Rechte verneinte. Der Koran wurde dann der Gegenstand des Gesprächs; aber der Muhamedaner ließ sich gar nicht aus die Entgegnungen des Christen ein, und nahm zuletzt seine Zuflucht zu dem nichtigen Verwände, als gehe diesem die zum Verständniß seiner Beweise nöthige Kenntniß ab. So zog sich der lange Kampf bis gegen Mitternacht hin, wo endlich das aufgetragene Mahl ihm ein erwünschtes Ende machte, und da offenbar es bei dem Perser auf nichts Anderes abgesehen war, als seine Beredt- samkeit und Gelehrsamkeit zu zeigen, so konnte sür die Erkenntniß der Wahrheit wenig oder nichts gewonnen werden; doch war der gelehrte Mann augenscheinlich verdrießlich, weil sein Sieg nicht so vollständig und entschieden gewesen war, wie er in seinem eitlen Dünkel gewünscht und erwartet hatte; vielmehr mußte er zuletzt verstummen, und auch die Tischgesellschaft schien nichts weniger als befriedigt. Martyn selbst mußte mit der traurigen Ueberzeugung hinweggehen, daß die Muhamedaner, wiewohl sie Christum als einen göttlichen Propheten anerkennen, doch sehr schwer zu bewegen sind, an ihn, als an den eingebornen Schn des ewigen Vaters und ihren Heiland zu glauben. Noch betrübender war es ihm, daß er unter jener Versammlung einige gelehrte Juden fand, die, anstatt den zu ihrem Heil von Gott aus ihrem eignen Volke erweckten Messias zu bekennen, von dem ihre heiligen Schriften zeugen, sich dem Islam