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die Herrschast über ihn gewinnen dürfe, und daß er Gott wohlgefällig sey in dem Geliebten, Jesus Christus. Aber wie wissen Sie denn das ? fragte noch einmal der Andere; woran erkennen Sie, daß Sie wiedergeboren sind? Daran erwiderte Martyn daß wir den Geist des Baters haben; was Er liebt, lieben wir auch, und was Er haßt, hassen wir auch. Der Andere sing hieran, etwas ruhiger zu werden, und fragte in einem sehr milden Tone, wie Martyn diesen Seelen­frieden erlangt habe blos aus diesem Buche? sagte er indem er einige Blätter des neuen Testaments in die Hand nahm? Aus diesem Buche (erwiderte Martyn) mit Gebet. Und wie war der Ansang? fragte Jener weiter. Martyn erzählte nun die Geschichte seines innern Lebens, wie er die Bibel, als vor Gott, mit Gebet vor sich genommen und um Vergebung seiner Sünden durch Christum, um die Versicherung dieser Vergebung durch den heiligen Geist und um die Kraft, seine Gebote zu halten, zu Gott gefleht habe. Und als nun Beide fragten, ob auch ihnen auf diesem Wege dieselbe Wohlthat zu Theil werden würde, versicherte Martyn: Allerdings! aber zugleich machte er sie darauf aufmerksam, daß ihr Glaube noch nicht der rechte sey und er eben deshalb es nicht wagen würde, sie jetzt, auch wenn sie ihn aufs Dringendste darum baten, zu taufen, weil noch so viele Merkmale eines ungedemüthigten Herzens sich bei ihnen fänden. Wie sagte der Eine wollen Sie denn, ich solle glauben, wie ein Kind? Allerdings! erwiderte Martyn. Sie haben Recht, sagte der Andere getroffen von der Wahrheit des Wortes ich bin überzeugt, das ist der einzige Weg. Und wohl giebt es auch keinen andern Weg zu Gott und zur Seligkeit, als eben diesen. Das ist es ja eben, was der Heiland sagt: Wer das Himmelreich nicht empfäht, als ein Kindlein, der wird nicht hinein kommen. Das ist der kind­liche Geist, in welchem wir beten: Abba lieber Vater!

An seinem letzten Geburtstage in diesem Leben der ihm immer ein sehr feierlicher Tag war, wo er mit beson- derm Ernste auf sein vergangenes Leben zurückschaute und mit besonderer Inbrunst Gott dankte und um seine Gnade