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und seinen Segen für die Zukunft bat — schrieb er folgende Worte ^in seinem Tagebuche nieder: „ Ein solches Schmerzensjahr habe ich noch nie gehabt; die Entbehrungen, welche mir sind auferlegt worden, aus der einen, und der Anblick menschlicher Verworfenheit auf der andern Seite haben mir diese Leiden verursacht. Ich hoffe aber, nicht umsonst an diesen Sitz des Satans gekommen zu seyn. Das Wort Gottes hat seinen Weg nach Persien gefunden und es ist nicht in Satans Macht, seine Fortschritte zu hindern, wenn der Herr es gesendet hat."
Wenige Tage, nachdem er dieß niedergeschrieben, kam rin Perser zu ihm, der, nachdem er leichtsinnig sich vom Islam losgesagt, nun alle geoffenbarte Religion geradezu verwarf, und darin, thöricht genug, die höchste Freiheit zu finden meinte. Er äußerte auch, ganz unverhohlen, den Sophi's beistimmend, Sünde und Heiligkeit, Glück und Elend, Ursache und Wirkung — Alles sey vollkommen «ins und dasselbe. Da erinnerte ihn Martyn an die letzte, «rnste Stunde, die schnell genug erscheinen werde. — Dann wollen wir sehen — ries er — haben Sie Recht, so verliere ich nichts; habe ich aber Recht, so geht Ihre Seele zu Grunde. Der Gedanke an den Tod schien den Leichtsinnigen für den Augenblick ernster zu stimmen; wenigstens schwieg er und belästigte den ohnehin genug Geplagten nicht länger mit seinem thörichten und frevelhaften Geschwätz. Bald wurde nun auch die Uebersetzung des neuen Testaments und der Psalmen vollendet, was für Martyn eine eben so große Beruhigung als Freude war.
So friedliebend übrigens Martyn war und so wenig «r den Streit suchte, so konnte er doch nicht umhin, weil «r glaubte, es der guten Sache und seiner Pflicht schuldig zu seyn, abermals in einer zahlreichen Versammlung mu- hamedanischer Gelehrter, mit Mirza Ibrahim an der Spitze, öffentlich als Vertheidiger des christlichen Glaubens aufzutreten, und namentlich die göttliche Würde Jesu Christi,, als des eingebornen Gottessohnes, laut und unumwunden zu bekennen.
Nicht lange nach diesem öffentlichen Bekenntniß verließ Martyn Schiratz, nachdem er sich ein Jahr in'Persien aufgehalten, da nun der Zweck, weshalb er sich in dieses Land begeben hatte, erreicht war. Er wünschte, dem König