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von Pcrsien die nun vollendete persische Uebersetzung eigenhändig zu überreichen, und reiste über Jspahan in das Hoflager des Schachs, wo er zu Anfange des Monats Junius ankam. Hier halte er noch einen heftigen Kampf mit mehrern persischen Mullah's oder Gesetz-Gelehrten, die zum Theil eben so unwissend, als hitzig und absprechend waren, öffentlich in Gegenwart des obersten Staatsbeamten, zu bestehen, und er legte abermals furchtlos ein offenes Geständnis; seines Glaubens vor vielen Zeugen ab, das die Wuth einiger Anwesenden, die es laut für Gotteslästerung erklärten, in einem solchen Grade erregte, daß er thätliche Mißhandlung befürchten mußte. Doch blieb es bei der bloßen Drohung, und er freute sich, des Bekenntnisses der Wahrheit wegen geschmäht und verhöhnt zu werden. Er setzte hierauf seine Reise fort an den Ort, wo sich der englische Gesandte aufhielt, weil ohne ein Empfehlungsschreiben von diesem der Schach durchaus keine Audienz verstattete. Auf diesem Wege zeigte sich auch das traurige Verhältniß, in welchem die Unterthanen in Asien zu dem Herrscher stehen, recht deutlich. Statt, wie bei mit Freude der Ankunft des Fürsten entgegenzusehen, war das ganze Volk da, wo der Schach durchkommen sollte, in banger Erwartung, wie vor einem heranziehenden Ungewitter. Pestilenz, Hungersnoth und andere Landplagen — sagt Martyn—- sind nichts gegen das Elend, den gewaltthätigen Erpressungen der Soldaten ausgesetzt zu seyn, die den König begleiten.
Auffallend war den Reisenden auf diesem Wege hie und da die empfindliche Kälte, selbst am Tage, die sie in Persien nicht erwartet hatten, wechselnd mit stechender Sonnenhitze; auch schildert Martyn die Gegenden, welche sie durchzogen, keineswegs als ein Paradies; vielmehr gab es hie und da ziemlich ausgedehnte, wüste und unwirrh- bace Strecken, wo sie, 8 bis 10 Stunden durchwandern mußten, ohne ein bewohntes Haus und Lebensmittel zu finden. Er fühlte sich oft sehr unwohl und erschöpft, und litt besonders an heftigem Kopsweh dermaßen, daß er fast von Sinnen kam. Noch dazu überfiel die Reisenden eiri heftiges Ungewitter, so daß Martyn fast fürchtete, Nicht lebend das Ziel seiner Reise zu erreichen, und nur der Gedanke hielt ihn ausrecht, daß er auf gutem Wege und unter der Aufsicht Gottes sey.