seine höhere Bildung und sein Talent verschaffte, auf einen glücklichen Erfolg rechnen. Besonders ging er damit um, «ine höhere Bildungsanstalt für die armenische Jugend zu errichten, an der es bisher noch gebrach. Wohl bedarf das armenische Volk, das leider noch tief in Aberglauben und Irrthümern versunken ist, und dessen Priester, oft selbst höchst unwissend und ungebildet, ihnen nicht das göttliche Wort predigen, gar sehr eines bessern Unterrichts, und es war dieß der Gegenstand einer langen Unterredung Martyns mit Serasino, dem der traurige Zustand seines Volkes, sehr am Herzen zu liegen schien.

Es laßt sich denken, wie sehr Martyn sich bestrebte, diesen Mann, der ihm vom Himmel bestimmt zu seyn schien, eine sittliche und religiöse Verbesserung des armeni­schen Volkes zu bewirken, noch mehr in seinem löblichen Vorsatze zu bestarken. Er versprach ihm alle mögliche Unter­stützung von Seiten der Engländer und machte ihn auf­merksam auf Luther und andere Manner, die, mit Gottes Hülfe, das schwierige Werk der Kirchenverbesserung glücklich durchgeführt.

Das Kloster wurde damals von etwa 100 Mönchen bewohnt und war vormals unermeßlich reich, hatte aber, bei einem Streite zwischen zwei Prätendenten um daS Patriarchat, den größten Theil seiner Schatze eingebüßt. Martyn wurde übrigens von dem Patriarchen und den Uebrigcn auf das Freundlichste behandelt, und Jener sprach gegen ihn den Wunsch und die Hoffnung aus, bald vom muhamedanischen Joche befreit zu werden. Die Bewoh­ner dieses Klosters haben übrigens kein anderes Ge­lübde abzulegen, als das der Keuschheit; aber man kann nicht sagen, daß sie weniger streng, als die katholischen Möyche, zum Gottesdienst angehalten würden; denn alle sind verpflichtet, taglich von Mitternacht bis Sonnenaufgang den gemeinsamen Gebeten beizuwohnen, und es laßt sich leicht denken, wie sehr dadurch das Gebet zu einem lastigen und leeren Gewohnheilswcrk und zum bloßen Lippendimst herabgewürdigt wird. So war die Einrichtung wenigstens damals, als Martyn dort war, der übrigens mit den Ge­fühlen des dankbarsten Wohlwollens für die brüderliche Aufnahme, die er da gefunden, von dem Kloster schied.