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und mit den besten Wünschen für das geistige Wohl dc» armenischen Kirche und des armenischen Volkes überhaupt. —-
Aus einem Wege, den die Sonncngluth und steile Werghöhe beschwerlich machten, und wo sie überdieß in den engen Schluchten, die sie durchziehen mußten, durch die Furcht vor den umherschweisenden Räubern beunruhigt wurden, zogen sie weiter und mußten mehrmals über den Arares setzen. Sie kamen hier an eine Stelle, wo sie zu gleich er Zeit Persien, Rußland und die Türkei im Auge hatten; denn die Gebiete dieser drei Reiche berühren einander in dieser Gegend.
So gelangten sie nach Kars, von wo, nach kurzem Verweilen, der Zug durch das Land der Kurden, über Berg und Thal, durch zum Theil unwirkliche und öde Gegenden, fortgesetzt wurde, wo Meilen weit keine Spur von Menschenhand zu sehen war. Die Furcht vor den räuberischen Bewohnern der Umgegend war so groß, daß den Reisenden eine Bedeckung von Iv bewaffneten Reitern mitgegeben worden war. Doch gelangten sie ungefährdet durch die dichte Waldung, und die stattlichen Bäume und die klaren Bergströme in den Thälern, vor Allem aber die feierliche Stille, die ringsum waltete, versetzte Martyn in eine Stimmung, die mit seinem Herzen ganz im Einklänge stand. Er eilte seinem Gesolge voraus, um ganz ungestört in der Einsamkeit der Wildniß sich seinen Gedanken und Gefühlen überlassen zu können.
Einen ausfallenden Gegensatz damit bildete die ansehnliche, volkreiche Stadt Erzerum, ein Hauptort Armeniens, wohin sie auf ihrem Zuge kamen, mit ihren belebten Straßen und zahlreichen Kaufläden und Werkstätten. Als sie weiter zogen, fühlte Martyn sich sehr krank und niedergeschlagen, und die Nachricht, daß in Constantinopel die Pest wüthe, und auch in Tokat, wohin sie bald gelangen sollten, bereits ausgebrochen sey, weshalb die Einwohner flüchteten, war eben nicht geeignet, das Gemüth zu erheitern und auszurichten. „So wandere ich denn (ruft er hier in seinem Tagebuchc aus) unvermeidlich in sichtbare Todesgefahr hinein;" aber er setzt hinzu: „Herr! Dein Wille geschehe! Sei's zum Leben, oder zum Tode; wenn nur Du meiner gedenkst."
Vom Fieberfcost geschüttelt und ganz erschöpft setzte Martyn den Weg fort; denn bleiben mochte er hier nicht,
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