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hvcen ließ, keine befreundete Hand ihn unterstützte, keine menschliche Brust sich ihm darbot, an die er das müde Haupt hatte legen können, und daß an seinem Grabe keine Thränen flössen. Doch er war nicht verlassen im letzten Kampfe. Gewiß war der Heiland ihm nahe mit seiner Liebe und mit seinem Troste, und er vernahm das Wort des ewigen Lebens: Q dn frommer und getreuer Knecht? Du bist über Weniges getreu gewesen; ich will dich über Viel setzen gehe ein zu deines Herrn Freude! Mit dieser göttlichen Ver­heißung konnten sich auch seine gläubigen Freunde trösten; dennoch war ihnen sein früher Tod, und besonders dieß, daß sie in seinen letzten Stunden nicht hatten bei ihm seyn können, sehr schmerzlich.

Sein Geist (sagt einer derselben, der Verfasser seiner Lebensbeschreibung) war von dem Gott der Natur und Gnade so reich ausgestattet, daß sein Tod auch in irgend einem Alter denen, welchen das Wohl der Kirche Christi am Herzen liegt, ein Anlaß zu nicht gemeiner Trauer hätte seyn müssen." Ein Anderer seiner Freunde schreibt:Er lebte in unsern Herzen; wir ehrten und liebten ihn; wir dankten Gott für ihn, wir beteten um sein längeres Ver­weilen bei uns hieniedcn, wir erfreuten uns des Guten, das er wirkte und wir fühlen es, wir haben einen schweren Verlust erlitten. Was durfte man nicht von einem Manne erwarten, welcher solche brünstige Frömmig­keit, eine so ausgebreitete Erkenntniß und kräftige Urtheils­kraft, einen so classischen Geschmack und unermüdlichen Fleiß in sich vereinigte. Ich kann den Gegenstand nicht ohne tiefes Trauern berühren. Auf den Mauern Jerusalems stehe ich und sehe den weiten Riß, der in sie gemacht ist aber es ist der Herr; er hat gegeben und er hat genommen."

In Beziehung aus seine ausgezeichneten Gaben ent­wirst ein anderer Freund, der den Vollendeten genau ge­kannt hatte, folgende Schilderung von ihm:Martyn vereinigte in sich gewisse wcrlhvolle, aber sehr von einander verschiedene Eigenschaften, die man selten in einer und derselben Person beisammen findet. Während sein schnell- fassendcr Geist überall leicht die ersten Schwierigkeiten besiegle, ließ er sich doch nie an seinen gemachten Fortschritten ge­nügen. Zwar breitete er sich über ein weites Feld des

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