der mich zum erkentnis gebracht hat. Mein liebwerthester bruder, es ist so,
wie der Heiland saget: Das himmelreich leidet gewalt, u die gewalt thun, reißen
es zu sich. Ich erkenne die eitelkeit der nichtigen Welt, u halte nunmehro
alles vor schaden, wenn ich nur Christum gewinne. Dieses werde aber
nimmermehr vergeßen, daß mir m. liebw. br. angenehmes Schreiben
bei 130 meilen, denn so weit war ich von Königsberg, eben an meinem
Ehrentage ist eingehändiget worden. Wie wohl ich wünschen möchte, ich
hette mein Geld wieder, ich wolte denen Philosophis ihre ehre u Magister
titel gern laßen. Aber gnug hievon. Meinen Zustand zuberichten,
lebe ich noch so hin, u bin durch wunderl. Zufälle hieher geschlagen, an einen
ort, da ich nebst meinem lieben Heilande keine einzige Gläubige Seele habe,
alß meinen herzens br. Herr Rampau, denn ich wohl sagen kan, daß unter
Uns ein herz u eine Seele. Meines bleibens aber ist nicht hie, denn
ich nach Osten mit 2. Untergebenen nach Hall in Sachs. gedenke, wo mir
nur meine anschläge durch die Baaliten alhie nicht zu waser gemacht
werden, denn sie mich heftig verfolgen wegen inliegendes Carmen oder
vielmehr, Hochzeit rede, sagende: Es were dieselbe more pietistico gesezt.
Geschweige andere mühe, die ich habe. Mhr. judicire, ob inliegendes contra
pietatem, u salva aliorum auctoritate, nicht beßer sei, eine solche rede machen
alß ein huren Carmen, da Venus u Cupido dominiren. Ich habe auch in
Abo eine Disputation de Pietismo mir vorgenommen zuhalten, ehe ich reise,
da ich des Episcopi consens leicht erhalten werde. - Erwarte davon Mhr.
judicium, ob ich meine arbeit continuiren sol, oder liegen laßen. Es
hatte mir der Gn. Gott in Pommern u in Stokholm eine thür aufgethan,
aber der todt des Sel. Königes, vor welchen ich vielmahl geprediget, hat
mir abermahl mein concept verrükket. Der Getreue heiland gebe
nur gedult, u helfe alle last ertragen. Mein Academisches wüßtes
leben hats wohl verdienet. Nebst diesen verlange von herzen, meines Herrn
Zustand zuerfahren, ob er in Narva subsistenz bekommen werde, oder per
mare über Lübek in Patriam reisen. Wo er mich aber lieb hat, wie
ich gewiß weiß, eröfne er mir seine gedanken über die wort 1. Corinth.
XV. omnes resurgemus, sed juxta ordinem, primo Christus, et qui sui sunt, deinde finis.
Weiter sei er so gut u muntere mich auf mit einer deutl. erklährung der
worte Apoc. XX. Regnabunt mille annos, et caeteri mortui non resurgent. Ich
werde diese liebe Zeit meines lebens nicht vergeßen. Die böse welt,