Wie nun der bisher erwehnte Vagetius wieder mich so hatte geschnau-
bet, so bediente sich deßen Past. Schrader an der Neuen Kirchen, u da
ich mich bei Ihm hatte mit Herr Franken Stud. hatte angegeben zu communi-
ciren, so schrieb er mir folgendes zu
Gnade Heil u Segen von Gott!
HochgeEhrter Herr u werther Freund
Es hat mir Herr Frank neuligst am Mitwochen angemeldet, wie daß er nebst
dem Herrn diesen Sontag zu communiciren gesinnet sei. Nun wünsche ich zu
solchem guten Vornehmen Gottes Gnade dadurch Sie der Sel. gemeinschaft. J. C. recht würdig mögen werden. Im übrigen aber wünschte ich viel lieber, wegen
einiger ursachen, die mein gemüth in etwas beunruhigen, daß Mhhr. sich bei
einem oder andern meiner Herrn Collegen nach belieben des Amts gebrauchen
wolte; dafern aber daßelbe ja über verhoffen dem Herrn nicht belieben könte,
würde es doch nötig sein, daß mans noch diese woche aufschöbe, u mir mehrer
gelegenheit gebe zu einigen nothwendigen unterredungen. Verbleibe hiemit
Meines vielgeEhrten Herrn u Werthen Fr.
dienstwilligster Diener
Fr. Laurent. Schrader
Auf der deutschen Slaboda vor Moscau
den 6. Maj. 1699.
Dabei bliebs aber nicht, sondern Er übergab denen Herrn Eterl.
u Vorstehern folgende Schrift:
 
Nachdamahlen ich einige zeither verspühret, daß ihrs Hochansehnl. Colleg.
Praeses der S. T. Herr D Blumentrost Sen. sich befließen, seiner Kinder Praecepto-
rem Herrn Justus Samuel Scharschmid bei Uns. Kirchen zu einen bishero unge-
wöhnl. Predigerdienst zubefördern u mir denselben zum Collegen beizufü-
gen; zweifelsohne wohl guter meinung u Christl. Intention, wiewohl ich
einer ganz andern meinung beständig allezeit gewesen, alß der ich nicht weiß,
daß ein zweiter Prediger Uns in geringsten nötig sei noch auch einiger
weise nicht absehen kan, wie derselbige Uns. Gemeine nüzlich were: So
habe ich zwar nach den Reguln der Klugheit (welches traun dem Wahren
Christenthum keinesweges zuwieder ist,) bishero geurtheilet, es sei beßer,
so lange noch nichts thätliches zur hand genommen würde, daß diesen geführten
Zweck zuerhalten, kräftig gnug were, stil zusizzen u diese passion üm
friedenswillen viel lieber dissimulando verrauchen zulaßen, alß durch
offentl. opposition dieselbe heftiger zumachen. Dieweil ich aber nunmehro