mit großem leidwesen muß ich Mhr. schreiben, daß wir nicht
einen Priester an Uns. Kirchen haben, der über die Gemeine einen
Segen sprechen kan, denn wie dhr. weiß, ist Helwig von Reval an Uns.
Kirchen berufen, hat es auch schon angenommen. War am Weihnachtsfest
auch hier. hat 3. oder 4 mahl geprediget. Nun aber da er seine abschied-
Predigt in Reval thun wollen, sind einige aus der Bürgerschaft zusammen
getreten, u ihm des jahres ein merkl. zugelegt, deßfals er um nur
mit reputation von hier zubleiben, dem Rath diverse dinge verschrei-
ben wil, wie es nun mit Ihm ablaufen wil, das stehet bei Gott, u das
ende wird sein, daß er wo er izzo ist, wohl bleiben dürfte, deswegen
mit zurathung Herrn burgmeister Ritter. Herr Rathv. W. u anderer Freunde wir
izzo (wozu der Almächtige Gott s. gnade verleihen wolle) begriffen
sind eine solche Schrift von allen denenjenigen, so Mhhr. verlangen,
u was ein ieder contribuiret, zu unterzeichnen, nur auf so lange
bis der Herr (daran nicht zuzweifeln, wenn die ganze Gemeine ihn
ferner hören wird) zum ordentl. andern Priester bei der Kirchen an-
zunehmen. Mhhr. verstehe mich recht; Wir alle die wir die Schrift unter-
zeichnet, werden Uns verbinden alle jahr dhr. ein gewißes zu geben,
freie Kammer, Kost, u nothdurft. ja so viel daß Mhr. gnug davon sub-
sistiren, u einen Ehren u NothPfennig beilegen möge. Die Vocation
sol von E Hochw. Rath. u Consistorio geschehen, damit dhr. ja friedlich. Denn
der König bestehet izzo bei der Kirchen nicht mehr, denn 2. Prediger.
Wollen aber die bürger einen à parte für sich aus ihren eigenen
mitteln halten, stehet ihnen frei, so des Königes bewilligung u Gnä-
dige resolution. Nun wollen wir um nur einen fuß erst zubekommen,
aus unsern eigenen mitteln dhr. nehmen. Das andere, daß dhr.
nicht in Helwig s. stelle solte kommen, ist nicht an zu zweifeln. Uber dem
ist Herbers so schwach, daß er in 4. wochen der Versamlung nicht bei-
gewohnet, u vieleicht nicht mehr beiwohnen dürfte, denn er immer schwächer
u kraftloser. Es ist mir aber von des Herrn rathsverwanten Herrn Wolfen
angesaget worden, dhr. zuersuchen, daß er den Vorschlag von Herrn M. Herbers,
bestehende darinn, daß er ihn zum Adjunctum haben wil um 40 rthl. u freie
Kost nicht annehmen sol, auch sich mit nichts einlaßen, bis
man Mhr. die Vocation u Volmacht von so vielen frommen herzen
einsendet. Wir sind nun in solchen großen werk begriffen