Paedag. Ich wil mich hierüber mit Mhr. Mag. in keinen streit einlaßen,
sondern bitte nur anzuzeigen, in welchem stükke die Symb. bücher alhier
verkleinert werden.
Mag. Ob ich mit euch davon rede oder nicht, wird gleich viel sein, weil ihr
doch die wichtigkeit der sache nicht begreifen könnet.
Paedag. Eben deswegen wolte ich dienstl. bitten, mir zuzeigen, was es für
eine gefährl. meinung sei, die man bei hiesiger Academia vertheidiget;
Ich wil mich gern eines beßern unterrichten laßen, u von Mh. M. lernen,
was ich noch nicht weiß.
Mag. Es wird euch ohne Zweifel bekant sein, daß man alhie diese lehre be-
haupte: Libri Symb. sunt recipiendi, non quia sed quatenus sunt verbum Dei. Welches
ein solcher irthum ist, daß man billig mit aller macht ihn aus rotten sol.
Paedag. Ich kan noch nicht begreifen, worinn der irthum bestehe.
Mag. Kennet ihr einfältiger mensch denn nicht sehen, wie schädlich diese lehre sei,
welche das Palladium Unserer Kirchen übern haufen wirft, u die Symbola,
welche zubefestigen u in ihrer Kraft zuerhalten sowohl hohen Potentaten alß
vielen Theologis γνησίως Lutheranis viel mühe u arbeit gekostet hat, so sehr
herunter machet.
Paedag. Solten denn wohl dieselben Theologi, welche die Lib. Symb. verfaßet,
dieses intendiret haben, daß unsere Kirche sie in eben so hohen werth halten
möchten alß die h. Schrift?
Mag. Jeder wolte dieses statuiren. Man weiß ja wohl den unterschied
inter verbum Dei materialiter et formaliter tale. Die h. Schrift ist Gottes wort
formaliter. Die Libri Symb. materialiter.
Paedag. Diese distinction habe ich wohl oft gelesen u gehöret, aber ich sehe
noch nicht, wie man damit den Knoten, welchen man mit der distinction
quia u quatenus gemacht, auflösen könte. Denn wenn ich gleich zugebe,
daß die Libri Symb. materialiter Gottes wort sind, so bleibet doch dieses noch
unstreitig, daß es Schriften sind, die von menschen gemacht worden, welche
ja so wohl haben irren können, alß die Wittenberg. u andere Academien.
Mag. Es sind freilich die Lib. Symb. Menschl. Schriften, allein die Männer,
welche sie verfertiget, haben in allen stükken die h. Schrift zur richtschnur
gehabt, u weil sie derselben gefolget, haben sie nicht irren können.
Paedag. So sehe ich wohl daß der Herr Mag. die Verfaßer der Symb. für solche
leute hält, die unmittelbahr vom h. Geist erleuchtet gewesen. Denn weil
sie nicht haben irren konnen, mußen sie in eben solchen licht geschrieben haben,