durch allerlei vorfallendes so gar lange verhindert worden. Verhoffe indeßen
des Herrn Schwagers WohlEhrw. werden es bekanter gütigkeit nach zum besten deuten.
Bekenne gleichwohl gerne, daß es billig gewesen, mich wegen übersandter Kinder-
Bibel ehender zubedanken, u zugleich auf das dabei erwehnte ehende zubeant-
worten, so derowegen dasmahl nicht länger aufschieben kan.
Sr WohlEhrw. findet in selbigen Tractl. des Herr Vagetii die 3. Fragen als von 1. 2. u 3.
Geboth verdächtig, da neml. das 1. Geboth in specie ad Deum Patrem, das. 2. ad Deum fil. u das
3. ad Sp. S. referirt wird, u begehret zugleich mein geringes Sentiment darüber
zuvernehmen, welches kürzlich dieses ist:
I. daß diese meinung singulär sei, u von der Gemeine in Uns. Kirchen angenom-
menen erklährung Uns. Theologorum nahmentl. Uns. sel. Lutheri abweiche, u al-
lein aus dieser ursach kein sonderl. lob verdiene
II. Zu dem ist es ungereimt hart, u mag leicht von den Dreieinigkeitsverleugnern
gemißbrauchet werden, wenn gesagt wird: das erste Geboth erfordere insonderheit
Gottes des Vaters liebe u dienst, wenn es neben ihn andere Götter zuhaben verbeut.
Denn gesezt; daß Gott der Vater sich hier in seiner person insonderheit verneh-
men laße, Er sei der Herr Unser Gott, neben welchen wir keine andere haben müß-
ten, würde alßdenn nicht ein Socinianer, u die des gesindes mehr sind, mit
großen schein daraus schlüßen? Gott der Vater sei der Höchste u wahrer wesentl.
Gott allein, der auch allein davor müßte erkant u geehret werden. Der
Sohn aber sei nur Gottes nahme, in welchem sich der Einige Gott Vater mit seiner
ganzen Gottl. Herligkeit u Heiligkeit an die menschen habe geoffenbahret, müße
derowegen ob er wohl nicht eigentlich wesentl. Gott sei, von Uns heiliglich gehalten,
nicht verachtet u sein Evangelium nicht vergeblich anpfangen werden u.s.w.
Die worte Christi Joh. 17. (im fal man etwa in denen selben eine gleiche redens-
art suchen, u dies damit entschuldigen wolte) sind, wie denen Theologis bekant,
anderer art, u legen dem Vater die Gottheit nicht allein vor seine person zu, son-
dern schreiben dem Vater zu die allein wahre Gottheit, mit nichten aber schreiben
sie dem Vater allein zu die wahre Gottheit, denn Christus spricht nicht: Daß du Vater
allein wahre Gott bist, sondern daß du Vater der allein wahrer Gott bist, wie das
sonderl. im Grich. Text klahr ist. Und dieser zweifel bedünkte mich so groß zu
sein, daß ich üm deßentwillen diese meinung in keinem wege gut heißen
kan. Denn so der Vater vor seine person absonderlich oder auch vornemlich der
Einige wahrer Gott ist, neben dem man keine andere Götter haben sol, so sehe ich
nicht, wie man Divinitatem filii et Sp. S. in omnibus Patro conequalem deutl.
gnug vertheidigen könne. Wil man nun sagen, der Sohn u der H. Geist
des Herrn Schwagers WohlEhrw. werden es bekanter gütigkeit nach zum besten deuten.
Bekenne gleichwohl gerne, daß es billig gewesen, mich wegen übersandter Kinder-
Bibel ehender zubedanken, u zugleich auf das dabei erwehnte ehende zubeant-
worten, so derowegen dasmahl nicht länger aufschieben kan.
Sr WohlEhrw. findet in selbigen Tractl. des Herr Vagetii die 3. Fragen als von 1. 2. u 3.
Geboth verdächtig, da neml. das 1. Geboth in specie ad Deum Patrem, das. 2. ad Deum fil. u das
3. ad Sp. S. referirt wird, u begehret zugleich mein geringes Sentiment darüber
zuvernehmen, welches kürzlich dieses ist:
I. daß diese meinung singulär sei, u von der Gemeine in Uns. Kirchen angenom-
menen erklährung Uns. Theologorum nahmentl. Uns. sel. Lutheri abweiche, u al-
lein aus dieser ursach kein sonderl. lob verdiene
II. Zu dem ist es ungereimt hart, u mag leicht von den Dreieinigkeitsverleugnern
gemißbrauchet werden, wenn gesagt wird: das erste Geboth erfordere insonderheit
Gottes des Vaters liebe u dienst, wenn es neben ihn andere Götter zuhaben verbeut.
Denn gesezt; daß Gott der Vater sich hier in seiner person insonderheit verneh-
men laße, Er sei der Herr Unser Gott, neben welchen wir keine andere haben müß-
ten, würde alßdenn nicht ein Socinianer, u die des gesindes mehr sind, mit
großen schein daraus schlüßen? Gott der Vater sei der Höchste u wahrer wesentl.
Gott allein, der auch allein davor müßte erkant u geehret werden. Der
Sohn aber sei nur Gottes nahme, in welchem sich der Einige Gott Vater mit seiner
ganzen Gottl. Herligkeit u Heiligkeit an die menschen habe geoffenbahret, müße
derowegen ob er wohl nicht eigentlich wesentl. Gott sei, von Uns heiliglich gehalten,
nicht verachtet u sein Evangelium nicht vergeblich anpfangen werden u.s.w.
Die worte Christi Joh. 17. (im fal man etwa in denen selben eine gleiche redens-
art suchen, u dies damit entschuldigen wolte) sind, wie denen Theologis bekant,
anderer art, u legen dem Vater die Gottheit nicht allein vor seine person zu, son-
dern schreiben dem Vater zu die allein wahre Gottheit, mit nichten aber schreiben
sie dem Vater allein zu die wahre Gottheit, denn Christus spricht nicht: Daß du Vater
allein wahre Gott bist, sondern daß du Vater der allein wahrer Gott bist, wie das
sonderl. im Grich. Text klahr ist. Und dieser zweifel bedünkte mich so groß zu
sein, daß ich üm deßentwillen diese meinung in keinem wege gut heißen
kan. Denn so der Vater vor seine person absonderlich oder auch vornemlich der
Einige wahrer Gott ist, neben dem man keine andere Götter haben sol, so sehe ich
nicht, wie man Divinitatem filii et Sp. S. in omnibus Patro conequalem deutl.
gnug vertheidigen könne. Wil man nun sagen, der Sohn u der H. Geist