erhalten, oder auch bei erfolgenden Zwiespalt repariret werden könte. Und dergl.
ist auch hieselbst nimmermehr zuhoffen, alß lange man nicht scriptis legibus, son-
dern propriis cogitatis folget. Wie solte ich den des ortes einen Collegen annehmen,
sonderlich da ich ein exempel der warnung öffentlich vor augen habe? Und son-
derlich wenn der intendirte beruf mithin einiger maßen solten auf die be-
dienung zu felde zu ziehen, dürfte ich an stat der erleuchterung nur mehr be-
schwerligkeit zubefürchten haben: denn dafern nur der vorgeschlagene Collega
mehr affection alß ich bei ein u andern Großen quocunque modo finden, u anbei
probabilem quandam licet fictam excusationem ersinnen könte, weswegen er nicht
mitgehen könne; dürfte zum wenigsten die anmutung solcher last bei einer
Gemeine, da man keinen legibus scriptis, sondern affectibus folget, auf mich,
gegen den die liebe schon veraltet u verkaltet, fallen. Wolte ich dann mein
recht fest halten, müßte ich mich nicht scheuen, feindschaft bei centnern auf
mich zu nehmen. Exempel sind odiös, aber sie sind offenbahr für augen.
Solte mich aber Gott nach seinem Heil. willen laßen dermahleins alt werden, oder
schikte mir ehe Krank- oder schwachheit als das alter zu, alßdenn würde ich
alle diese meine eigene nothdurft betreffende, obwohl dabei an sich selbst ganz
billige Considerationes, aus liebe vor die erbauung u das beste der Gemeine bil-
lig hindansezzen, mich pro civiliter mortuo zurechnen beginnen, sondern in an-
sehung meines alßdenn etwa erfolgenden Collegen den sinn Johannis des täufers
Joh. 3,30. einnehmen u fein gedultig sagen: Er muß wachsen, ich aber muß
abnehmen. Nur würde ich gleichwohl durch Gottes Gnade auch so dann davor
schuldige Vorsorge tragen, daß kein ander alß unverdächtiger reiner lehrer mir
adjungiret würde, damit keine spaltung oder Zerrüttung in der Kirchen zu fürch-
ten sein möchte: die da nirgend NB. mit so großer sorgfalt zuvermeiden ist,
alß in diesem fremden landen, da die Religion u sehr schwache Kirche nur blos
durch eine allergnädigste toleranz ihre freiheit geneußt. Die (2.) an-
dere gleichwichtige ursach, warum ich der annehmung eines Collegae wenigstens
izziger zeit gänzlich contradicire, ist Unserer Kirchen dürftiger Zustand. Da
beides die Schule u auch das Pfarrhauß ganz baufällig sind, so sehr, daß ich deren
Herren sämtl. aus dringender noth remonstriren muß (denn vor mich habe ich doch
das meist recht u ursach zureden) es sei nicht möglich ohne merkl. schaden mei-
ner gesundheit mich länger in meiner elenden ungequeml. baufelligen woh-
nung noch einen winter zubehelfen; bin dannenhero gezwungen Mhhr.