so weit Gott lob! gekommen bin, daß ich von nun an der menschen
urtheile nicht anders alß per generosam contemtem zuvindiciren oder
verantworten vermeine; sonderlich wenn es etwas von leuten her-
kömt, denen man irgend eine böse sünden schwüre aufgedrükket,
oder auch nur angerühret hat, davor sie einem gerne einen stich wie-
dergeben möchten. Was ich dabei beklage ist solcher menschen sünde,
inmaßen ich diejenigen kaum vor Christen halten kan, die sich an mir
in dem stükke ärgern, da ich nur die person eines unbilligkeit lei-
denden, niemand aber kein unrecht zufügenden offenbahr vertrete,
alß der ich meinem bösen weibe Ehelichen unterhalt gebe, welches ich
kaum schuldig were, auch stil sizze u stilschweige, da sie indeßen be-
ständig forfähret mich zu verleumden u zu verlästern, der ich ja auch
mein weib nicht von mir gejaget habe, sondern sie selbst eigenwillig ohn
mein wißen u vermuthen, wie das bekant, von mir weggangen ist,
da ich nicht mit einem wörtlein ihr darzu nur anlas gegeben. Was
ist unbilliger? alß daß man sich an mir ärgern wil, gegen den
noch nichts aufgebracht ist, darin er unrecht thue, da hingegen mei-
nes weibes unbilligkeit, die sie an mir thut, ganz offenbahr vor augen
ist, auch unleugbar daß wenn schon alles wahr, u ich so böse were alß
sie geiffert (da es doch lügen sind.) sie dennoch unrecht u nicht wie ein
Eheweib thue: Man solte billiger trachten mein Weib zubekehren, wenn
man etwas zur sache thun wolte, das were beßer alß daß man mich
läßet über die Zunge laufen, der ich nur darum unglükl. bin, weil
ich dieses orts kein so bequemes Gericht zu meiner hülfe habe, alß ich in
Patria haben könte. Will man denn nicht wißen, daß Gott mehr-
mahlen ein oder ander denen bösen ärgerliches verächtliches unglük
oder fehler u mangel an den seinigen aus heiligen ursachen haben
wolle? Doch kurz von der sache zu reden: Man sage von mir was man
wolle, ich bin u bleibe der der meinung Fabii Cunctatoris, daß der nicht
recht tapfer sei, der sich durch die schimpflichen oder rühml. judicia der men-
schen bewegen laße von demjenigen abzugehen was er recht oder nüzlich
achtet. Fortem et tenacem propositi virum non civium ardor prava jubentium
etc. mente quatit solida etc. Ich verliere bei diesem vor mich betrübten