handel wohl etwas das viel reäler u wichtiger ist, alß eine gute opinion
etlicher nicht wohl berichteter zum richten auch weder tüchtiger noch bestelle-
ter menschen. Ich bin ja so alber nicht, daß ich nicht gedenken könte, wie
viel ich an der hofnung der Erbschaft meiner Frauen vor meine Kinder
durch dies werk verliehre, Aber das alles wenn es 100mahl mehr were, wird
mich nicht bewegen ein Sclave des boßheit eines Gottes- u Ehrvergeßenen
weibes zu werden, sonst wolte ich ja viel lieber alsobald im anfang den Kopf
zu meines füßen in den staub gebükket haben. Hactenus de variis ho-
minum judiciis, quae non curat Hippoclides.
Nun ferner zur Sache selbst zu kommen, so ist die frage, wie ich sehe, nicht davon,
ob ich mein weib willig alß ein leicht zu versöhnender Christe wiederum in
liebe annehmen solle u wolle, wenn sies mit erkentnis ihres unrechts neben
verheißung künftiger beßerung begehret, denn dazu erkenne ich mich
schuldig, bin auch ganz willig dazu, ja ich wünschete, daß Gott mich u Sie
so glüklich machen u ihr hartes herz erweichen möchte. Sondern mein
Werther Herr meinet mich durch diverse persuasiones zubereden, meinem
mir ohn alle gegebene ursach entlaufenem weibe nachzugehen, u sie
die mir ohn aufhören alle schande nachlüget u läßtert mit bitten
u guten worten zubewegen, daß mir wiederum beiwohne. Und
dagegen bitte ich denn meine ursachen zu hören, die mich nicht
allein von dieser schuldigkeit loszehlen, sondern über dem auch ver-
pflichten, daßelbe durchaus u keines weges zu thun.
Ich bins nicht schuldig
(1.) Wegen gnugsam in einer achtjährigen Zeit verspürter u mit satsa-
mer plage erdulteter unüberwindlichen boßheit, die ich mit keinem fle-
hen, bitten, ermahnen, bitteren thränen (des Gott mein Zeuge ist)
nicht habe verbeßern können, sondern zu härtern mitteln mich nach 1 1/2
jähriger Gedult habe genötiget funden, welche aber weil sie meinem humeur
zu wieder sind, nicht alß nur nach vielen erduldeten reizungen bei eu-
serst aufgetriebenen Zorn sind gebrauchet worden. So bin ich denn
nicht schuldig ferner wißentlich unnüzze arbeit zuthun, die keine
ander frucht alß meine beschimpfung bringen kan. Ich mag nicht
heucheln, habe auch keine lust ein beschämt angesicht zu holen, sonst wolte
ich hingehen u thun was dhr. mir räth, u alles was ich in der welt habe
etlicher nicht wohl berichteter zum richten auch weder tüchtiger noch bestelle-
ter menschen. Ich bin ja so alber nicht, daß ich nicht gedenken könte, wie
viel ich an der hofnung der Erbschaft meiner Frauen vor meine Kinder
durch dies werk verliehre, Aber das alles wenn es 100mahl mehr were, wird
mich nicht bewegen ein Sclave des boßheit eines Gottes- u Ehrvergeßenen
weibes zu werden, sonst wolte ich ja viel lieber alsobald im anfang den Kopf
zu meines füßen in den staub gebükket haben. Hactenus de variis ho-
minum judiciis, quae non curat Hippoclides.
Nun ferner zur Sache selbst zu kommen, so ist die frage, wie ich sehe, nicht davon,
ob ich mein weib willig alß ein leicht zu versöhnender Christe wiederum in
liebe annehmen solle u wolle, wenn sies mit erkentnis ihres unrechts neben
verheißung künftiger beßerung begehret, denn dazu erkenne ich mich
schuldig, bin auch ganz willig dazu, ja ich wünschete, daß Gott mich u Sie
so glüklich machen u ihr hartes herz erweichen möchte. Sondern mein
Werther Herr meinet mich durch diverse persuasiones zubereden, meinem
mir ohn alle gegebene ursach entlaufenem weibe nachzugehen, u sie
die mir ohn aufhören alle schande nachlüget u läßtert mit bitten
u guten worten zubewegen, daß mir wiederum beiwohne. Und
dagegen bitte ich denn meine ursachen zu hören, die mich nicht
allein von dieser schuldigkeit loszehlen, sondern über dem auch ver-
pflichten, daßelbe durchaus u keines weges zu thun.
Ich bins nicht schuldig
(1.) Wegen gnugsam in einer achtjährigen Zeit verspürter u mit satsa-
mer plage erdulteter unüberwindlichen boßheit, die ich mit keinem fle-
hen, bitten, ermahnen, bitteren thränen (des Gott mein Zeuge ist)
nicht habe verbeßern können, sondern zu härtern mitteln mich nach 1 1/2
jähriger Gedult habe genötiget funden, welche aber weil sie meinem humeur
zu wieder sind, nicht alß nur nach vielen erduldeten reizungen bei eu-
serst aufgetriebenen Zorn sind gebrauchet worden. So bin ich denn
nicht schuldig ferner wißentlich unnüzze arbeit zuthun, die keine
ander frucht alß meine beschimpfung bringen kan. Ich mag nicht
heucheln, habe auch keine lust ein beschämt angesicht zu holen, sonst wolte
ich hingehen u thun was dhr. mir räth, u alles was ich in der welt habe
zum pfand