Zeit wehrender tribulation in Narva, gab mir Gott auch manche recrea-
tion, alß da nach etl. tagen alß ich war ankommen, neml. den 12. Febr. ein be-
kanter Stud. aus Moscau ankahm, deßen nahme war Carl Andreas Rosen-
berg, der sich aber dort Lieberthal genannt hatte. Dieser mensch
hatte sich in Mosc. zu mir gehalten, dem ich auch freien tisch u stube bei einen
deutschen verschafte, allein er war aus melancholi oder woher es kommen, heim-
lich weggegangen u Rußisch worden, u da man etl. wochen nichts von
ihm gehört noch ihn gesehen, wurde es zulezt, da ich wegreisen wolte, kund,
daß er sei umgetauft u in einem Kloster sich unterrichten ließe. Es trug
sich aber zu, daß ich seiner den tag vor meiner abreise vor einer Priasse,
(rathhauß) da ich den pass geholet, ansichtig wurde, ihn bei dem arm auf
der seite zog u beweglich zuredte u fragte was ihn bewogen von Uns auszu
gehen, ob er nicht in s. gewißen der mehreren warheit, so bei Uns, über-
zeuget war, u da er eins u das andere vorschüzzen wolte, sagte ich er möchte
bedenken, ob solches in der lezten todes stunde würde sich halten. Wie Christus
den, der ihn hier verleugnet, auch würde verleugnen vor s. himl. Vater.
Dort würden wir offenbahr werden p Ich würde ihn in diesem leben wohl
nicht wieder sehen, weil ich eben in procinctu nach Narva alß vocirter
Pastor zugehen, wünschte, daß wir dort nicht auch einander möchten geschie-
den stehen p Diese meine lezte Zurede, hatte er so zu herzen genommen, daß
ers wagt, von seinem tauf Pathen E. Canzler heimlich wegzugehen, ver-
kauft den neuen rok, so er, der taufPate, ihm geschenkt, heuert einen
schlitten u gehet ohne pass fort, u wo er wird angehalten, giebt er vor, er
habe einen brief an Le Fort bei der Großen Gesandschaft, so damahls
mit dem TZar war aus dem lande gangen, selbigen müßte er eiligst
nachbringen, u damit kömt er so wunderlich nach Narva, da doch da-
mahls viel gefährl. es war durchzugehen, weil auch eben Obrist
Brökel heimlich war aus dem lande gangen, weswegen heftig wurde
requiriret. Wie er nun plözlich in meine stube trat, erschrak ich, u
fragte, ob ers selbst oder sein Geist were? Er aber sagte mit Zittern u
freuden, ich sei sein Geistl. Vater gewesen, ward froh, u erzehlte seinem
Vorfall u wie er nun mit ernst wolte trachten zur ersten liebe zu kommen,
die er vor 20 jahren in Erfurt zur warheit gehabt, da ihn damahls
Herr Neuss (izzo Gen Superint. in Wernigerode) Stud. hette auf guten weg
gebracht, u tägl. mit ihm u noch einen andern St. bethstunde gehalten p
Es halfen ihm aber Gute freunde daß er bekleidet nach Dörpt geführt
wurde, wo er aber weiter geblieben, hat man noch nicht hören könen.
tion, alß da nach etl. tagen alß ich war ankommen, neml. den 12. Febr. ein be-
kanter Stud. aus Moscau ankahm, deßen nahme war Carl Andreas Rosen-
berg, der sich aber dort Lieberthal genannt hatte. Dieser mensch
hatte sich in Mosc. zu mir gehalten, dem ich auch freien tisch u stube bei einen
deutschen verschafte, allein er war aus melancholi oder woher es kommen, heim-
lich weggegangen u Rußisch worden, u da man etl. wochen nichts von
ihm gehört noch ihn gesehen, wurde es zulezt, da ich wegreisen wolte, kund,
daß er sei umgetauft u in einem Kloster sich unterrichten ließe. Es trug
sich aber zu, daß ich seiner den tag vor meiner abreise vor einer Priasse,
(rathhauß) da ich den pass geholet, ansichtig wurde, ihn bei dem arm auf
der seite zog u beweglich zuredte u fragte was ihn bewogen von Uns auszu
gehen, ob er nicht in s. gewißen der mehreren warheit, so bei Uns, über-
zeuget war, u da er eins u das andere vorschüzzen wolte, sagte ich er möchte
bedenken, ob solches in der lezten todes stunde würde sich halten. Wie Christus
den, der ihn hier verleugnet, auch würde verleugnen vor s. himl. Vater.
Dort würden wir offenbahr werden p Ich würde ihn in diesem leben wohl
nicht wieder sehen, weil ich eben in procinctu nach Narva alß vocirter
Pastor zugehen, wünschte, daß wir dort nicht auch einander möchten geschie-
den stehen p Diese meine lezte Zurede, hatte er so zu herzen genommen, daß
ers wagt, von seinem tauf Pathen E. Canzler heimlich wegzugehen, ver-
kauft den neuen rok, so er, der taufPate, ihm geschenkt, heuert einen
schlitten u gehet ohne pass fort, u wo er wird angehalten, giebt er vor, er
habe einen brief an Le Fort bei der Großen Gesandschaft, so damahls
mit dem TZar war aus dem lande gangen, selbigen müßte er eiligst
nachbringen, u damit kömt er so wunderlich nach Narva, da doch da-
mahls viel gefährl. es war durchzugehen, weil auch eben Obrist
Brökel heimlich war aus dem lande gangen, weswegen heftig wurde
requiriret. Wie er nun plözlich in meine stube trat, erschrak ich, u
fragte, ob ers selbst oder sein Geist were? Er aber sagte mit Zittern u
freuden, ich sei sein Geistl. Vater gewesen, ward froh, u erzehlte seinem
Vorfall u wie er nun mit ernst wolte trachten zur ersten liebe zu kommen,
die er vor 20 jahren in Erfurt zur warheit gehabt, da ihn damahls
Herr Neuss (izzo Gen Superint. in Wernigerode) Stud. hette auf guten weg
gebracht, u tägl. mit ihm u noch einen andern St. bethstunde gehalten p
Es halfen ihm aber Gute freunde daß er bekleidet nach Dörpt geführt
wurde, wo er aber weiter geblieben, hat man noch nicht hören könen.