u 3. Geboth insonderheit anlanget, sintemahl sehr vornehme Theologi in denen Gedan-
ken, daß die andere person in vielen Schrift örtern Gottes Nahme genennet werde,
auch die heiligung des Sabbaths insonderheit zu dem articul von der Heiligung gehöret,
quia Sabbatum adeo à nobis sanctificandum est, ut Sp. S. suam sanctificantem operati-
onem in nobis perficere possit. Und ist gewis, daß wenn sich es so wohl bei dem ersten
Geboth schikkete, als bei dem andern u 3ten, were nichts dawieder zusagen, da
es aber fehlet. Dieses sind denn auch die ursachen, welche mich bewogen
des Herrn Vaget. meinung vor tolerabel vor seine person zuhalten. Aber ich kan
es gleichwohl gar nicht loben, daß man solche singularitäten in Laien u Kin-
der Bibeln läßet hineinsezzen, in welchen traun nichts müßte stehen, aus lauter
klahre grundwarheiten, welche zur Seligkeit einen ieden Christen zu wißen
nötig sind, dergl. aber diese vermeinete subtilität durchaus nicht ist, inmaßen
so viel aufrichtigkeit bei dem Herrn Vagetio vermuthe, daß mich deßfals kühnlich
auf sein eigenes urtheil berufen darf. Es läßet sich solches üm so
viel weniger entschuldigen, weil ein gemeiner Laie oder ein einfältiges
Kind leichtlich hiedurch kan irre gemacht werden. Denn da dieses eine subti-
lität ist, welche einen geübten Theologum erfordert, um die daraus gezogene
kezzerische gegenwürfe zubeantworten, u dieselbe subtilität in einem ortho-
doxen sinne zuerklähren, so ist es traun eine unverantwortl. unvorsichtigkeit
denen Laien u Kindern solche Dinge alß Grundwarheiten des Christl. Glaubens
vorzuhalten, oder doch unter den Gründen des Christl. Glaubens ihnen solches
mitbeizubringen. U. wird dhr. Schwager Christl. thun, wenn er seine beichtkinder
ohne nennung u beschimpfung des Herrn Vagetii u dieser seiner auslegung, seine
Kinder u Laien schlecht unterrichtet; Man müße nach den ersten Geboth den dreieini-
gen Gott allein vor den wahren Gott ehren, nach den andern Gebot den Nahmen des
dreieinigen Gottes, u alles wordurch er sich geoffenbahret hat, nicht vergeblich führen,
ansehen oder mißbrauchen etc Und das sei der rechte sinn dieser Gebote. Sofern
es auch ohn trennung Ihrer Collegialen liebe geschehen könte, were es etwa nicht un-
dienlich, freundlich en particulier mit demselben Herrn Vagetio sich hierüber zubereden etc
Archangel den 5. 7br. 1693.
Fr. Laurentius Schrader.
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Gnade , Friede u liebe in C. J.
Es hat Ew. WohlEhrw. Herr Schwager H. v. Som Uns. lieber Gönner u Freund Uns zu
wißen gethan, wie dero Collega Herr M. Vagetius dem frieden, wie er solte, nicht
nachjage, sondern veranlaße auf unterschiedene wege, daß eine böse wurzel aufwachse,