Was die (II) Frage betrift, was von der rede, welche in gedrukten Catechismo den
Kindern proponiret werde. Wie soltu Gott den Vater lieben von ganzen herzen Rx
nach dem ersten Geboth. Wie soltu Jesum lieben von ganzer seelen Rx. nach dem 2.
Gebot. Wie soltu Gott den H. Geist lieben von ganzem gemüth Rx nach dem 3. Gebot.
Was, sagen wir, von dieser rede zuhalten, so antworten wir in dem Herrn (1) daß
Ew. WohlEhrw. rationes kräftig u gründlich sind, nemlich weil (a) die meinung
neu, singulär, in Uns. Kirchen ungebräuchlich (b.) weil sie ein Socinianer zu seinem
Vortheil gebrauchen kan, gleich wenn er der Sohn u der H. Geist nicht eben mit der
innerl. liebe, furcht u Vertrauen zu ehren, wie den Vater, daher sie auch muß aus
dem Catechismo ausgestrichen werden (2) daß dhr. M. Vag. solche rede aus einem buch
eines Autoris, der lust zur allusion gehabt, genommen, u weil sie ihm gedünket etwas
sonderl. zu sein, deswegen ohne voher prüfung in den Druck gegeben. Es heißet
aber von solchen Dingen: Ihr sollt keines thun, ein iegl. was ihm recht dünket Deut.
12,8. (3) daß so auch allasivè die rede hin passirte, welches wir doch nicht sehen, sie
nicht kan zur öffentl. proposition u lehrfrage u saz gemacht werden, der vor der
Kirchen u den Kindern alß eine lehre durch frage u antwort zu proponieren ist, muß
nicht ex sensu accommodatitio, sondern aus den klahren worten Gottes gesezzet u be-
stätiget werden (4.) lauft diese rede auf eine Confusion des Gesezzes u des heil.
Evangelii aus, denn das Gesezze u die H. 10. Gebote handeln nicht von Jesu, sondern
das Evangelium. Das Gesez ist nicht die lehr vom glauben an den dreieinigen Gott, son-
dern das Evagelium (5.) so hat diese rede eine Verkehrung der worte Gottes in sich.
Wenn Gott das Gesezze gab, so sagt er vorher: Ich bin dhr. dein Gott, der dich aus
Aegypten geführet hat, in dem er spricht: Ich bin der Herr, so deutet er ja auch auf
die Schöpfung, daß Gott der Jehovah der Schöpfer aller Dinge, durch deßen willen alles
sein wesen hat. In dem er sagt; Ich bin dein Gott, so deutet er auf die Erlösung
u heiligung, der nun ist der Jehova Uns. Gott durch die Versöhnung Christi vermit-
telst des Gnadenbundes im Glauben, welchen der H Geist würket. Daher sich die
H. DreiEinigkeit unter solchen worten offenbart. Da nun Gott befiehlet,
du solt den Herren deinen Gott NB. lieben von ganzen herzen, von ganzer Selen p
so wil er ja daß nach dem ersten Gebot Gott Vater Sohn u H. Geist sol geliebet
werden, mit gleicher liebe von ganzem herzen, von ganzer Selen, von ganzem
gemüth. (6.) Entweder ist den Vater lieben von ganzem Herzen nach dem ersten
Geboth eben so viel in actu Religioso, alß den Sohn lieben von ganzer Selen nach
dem andern Gebot, u den H. Geist lieben von ganzen gemüth nach dem 3ten Gebot
oder nicht, sondern ein ander actus Religiosus. Ist solche liebe einerlei u
einerlei Ehre gegen Vater, Sohn u H. Geist, warum gibt Gott also von einerlei 3. Gebote ?
warum läßet