were er ja nicht würdig vor seine Gemeine weiter zupredigen. Deswegen
muß ich nun öffentl. in allen Gemeinen //Predigten// herhalten, u mich unter allerlei
Phantasten, Schwermer u Kezzer einschieben laßen; Ich sei der Pietisten
handlanger, Schmähvogel p Herr Schrader benennet zwar kein Individuum
sol aber ganz mit jenen eins sein. Er redet auf der Canzel vom ein-
schleichenden miedling, der in schafskleidern zwar herginge u freundl.
sanft u leutselig zu reden schiene, aber man hätte nicht zu trauen, weil
ein boßhaftig herz darhinter. It. wenns einem solchen nicht anginge
an einem ort der stadt die Kirche zu verwirren, so suche er denn anders-
wo unruhe anzurichten, u den verführischen gift auszustreuen,
kähme ins land alß ein schaf hinein, were aber vom wolfe ausge-
sant it. die Neulinge u bei sich selbst kluge fingen vom neuen an
die Kirche zu verunruhigen, wie draußen schon durch ihren Patriarchen
geschehe, da der gift in Berlin (meinete also die Churfrl. Residenz mit
nahmen, daraus auch leicht zu muthmaßen, wer der Patriarch sei)
sich bereits hervorgethan, welchen man aber kräftig wiederstehen
müßte etc hierüber merket man nun schon eine gewaltige be-
wegung der Gemeinde u derer glieder. Der Herr Herr gebe, daß
wir den weg Christl. Glaubens u Erfahrung, der in Geduld be-
stehet, ja auf keinerlei weise mögen ausschreiten, sondern vielmehr
in kindl. gelaßenheit seiner hülfe erwarten, so ja gewis, ob sie
gleich verzeucht, nicht außen bleiben wird. Das lamm so er-
würget ward, welches aber die Pforten der Höllen zerbrochen,
wird auch gewis hieselbst siegen, u nach seinem sieg ihm ein Volk
bereiten, das willig sei ihm zu opfern im heil. schmuk etc –
An Herrn Prof. Franken in Halla den 3. Maj.
Ich hoffe, meine jüngste briefe werden durch Herrn D Bekker entweder
selbst überbracht oder übermacht sein. Nach seiner abreise kahm
es abermahl mit mir also, daß ich kaum wußte, wo mich hinwenden
solte. Wegen hiesigen gethanen vorschlag wurde es wieder ganz
stille. Von Riga kahm ein brief nach dem andern, ich möchte eilends
kommen, Herr D Fischer habe seinen Estat auf mich gemacht, wolle auch
keinen andern vor sich predigen laßen, bis ich selbst kähme.