(f.) Ob ich derowegen die leute jenen Neuerungen anhängig nicht eben ex Com-
munione Coetus Christiani auszuschließen gesinnet bin, wohl wißend, daß wie Gott
viel sünder, also auch viele irthümer in den reichthum seiner Gnade an seinen
Gläubigen übersehe, u derer irrenden dennoch viele selig mache, wiewohl alß
durchs feur, so fern sie nur auf dem wahren Grunde Christo bleiben 1. Cor. 3,1.
u ihn darum vor einen guten obwohl des irthums verdächtigen Christen halte. So
ists doch eine ganz andere frage, ob es rathsam sei einen solchen Mann ad munus
docendi Ecclesiasticum schlechterdinges ohne unterscheid zu admittiren? An dergl. ort
da ein gnug befestigtes machthabendes Consistorium ist, kan es wohl geschehen wiewohl
mit nötiger precaution, daß solche personen in ihrem Amt unter gnugsam
kräftiger aufsicht gehalten werden, u sich nicht unterstehen dürfen etwas der
reinen lehre oder dem Kirchenfriede praejudicirliches anzufangen, vielweniger
dergleichen würklich zustiften das Vermögen haben. In solcher absicht habe
ich der eingebildeten Narvischen Vocation keine hinderung wollen zubringen,
alß welche mich ohndem nichts anging, sondern dem dortigen Consistorio u Min-
isterio die Vorsorge zugehöret. Habe dieses alles vornemlich darüm so aus-
führl. zu papier bringen wollen, weil ich mit traurigen gemüth u sonderbahren
betrübnis meines Geistes vernehmen müßen, daß mir bei dieser affair
per absurdam calumniam hat wollen von etl. passionirten Gemütern aufge-
bürdet werden, alß were ich der Schars. Vocation darum zu wieder, weil ich
in sorgen stünde, daß mir etwas an meinen Einkünften durch ihn abge-
hen möchte. Were nun schon dem also, könte ich deswegen doch nicht be-
schuldiget werden unrecht zu thun. Herr Schars. aber etl. sündigten so dann
wieder das 9. u 10 Gebot, in dem sie ihres Nechsten Amt u ein theil des
davon herrührenden Vortheils begehrten. Gleichwohl aber bin ich Gott lob!
so gar geizig nicht, ja vielmehr so thörigt bin ich nicht, der ich traun in gegen-
theil deutlich vorher sehe, daß mich diese Contradiction an dem zeitlichen merklich
schaden zubringen werde, u ich dagegen mehr Vortheils zuerwarten hätte,
dafern ich mich zur Zustimmung der auf Schars. zielenden Vorschläge beque-
men könte oder wolte. Aber die ungekränkte erhaltung reiner lehr
vor allen Zerrüttungen u irrungen ist mir lieber, welcher ich mit gefahr
alle meine wohlfarth zuverliehren durch Gottes Gnade nach eusersten Kräften
vorzustehen gedenke, u mich dabei ganz u gar an Gott aufopfere. Nun
freue ich mich recht, daß ich mich bei meiner Vocation so verhalten,