ja auch so gar nicht einmahl wieder die offenbare Enthusiasten u Geisttreiberei,
wie sich das doch allerdinges gebührete. Es ist ihnen alles gnug, wenn nur
der schein eines euserl. frommen lebens obwohl mit vieler ungerechtigkeit ver-
knüpft samt der Klage über den Zustand der Evangel. Kirche da ist.
(d.) Und was sol ich viel sagen von dem streit, der über viele unrichtigen
händeln zwischen Uns. Theologis u denen leuten dieser Secta zum großen
ärgernis der Evangel. Kirche entstanden ist? Sol ich mich denn deßen theil-
haftig machen durch Gutwillige acceptirung des Herrn Schars. zu meinen Collega
extra ordinem et praeter necessitatem. ja eben dieser Schars. lebet selbst in
würkl. streit mit einem ansehnl. bei seiner Gemeine sehr beliebten Pre-
diger dem Herrn Licent. Vagetio, so gar daß es zu öffentl. wiederlegung
in Predigten ausgebrochen ist. Ob ich nun schon nicht eben ursach habe
mich darin zu mischen, so ist mir doch wegen des Guten nahmens Meiner
Orthodoxiae u wegen des Kirchen friedes gar nicht thunlich, denselben in
contradictione mit Unsern Ministerii membro stehenden menschen zum Collegen
anzunehmen.
(e.) Hiebei kan ich nun wohl nicht umhin, meine unmaßgebliche mei-
nung, von denen, weiß nicht aus was trieb oder intention, hieselbst ausge-
streuten blättern, oder so genanten Gründl. Anleitung zum Wahren Christen-
thum ausführlicher, alß sonst vor dem zueröfnen, weil selbige Charteque
alß causa litis zwischen Herr Vaget. u Schars. anzumerken ist. So bekenne
ich denn zwar vor alß nach, daß in demselben Tractl. ganz u gar nichts
böses, sondern nur Gemeine, bekante, Gute Ermahnungen zu finden, allein
wie ich dabei vordem pflag zu wünschen, daß von dem H. Worte Gottes und
denen Sacramenten alß mitteln, das wahre Christenthum zu würken etwas
mit darinnen zufinden were, so bin ich noch derselben meinung, daß die-
ses zur Gründl. anleitung des wahren Christenthums hochnötiges in dem
büchlein ausgelaßen sei. Das möchte nun wohl leicht zu entschuldigen
sein, wie ich auch unterschiedlich zum besten gedeutet habe, allein weil das
büchlein von einem Manne geschrieben ist, deßen Orthodoxia in diesen sel-
bigen puncten nicht außer suspicion ist, giebet es doch allerlei nachdenkens.
Doch daß dieses Tractl. so vortreflich were, daß sichs der mühe verlohnete,
daßelbe nach der Mosco zu schikken, kan ich gar nicht sehen, scheinet vielmehr,
daß die selbstklugen, selbst heiligen, hochmütigen Pietisten, die von nichts alß
sich selber halten, es der meinung gethan, als mangele es hier denen
Predigern am Vermögen das Wahre Christenthum zu treiben.