tag bei dem Patriarchen meinetwegen geredt, u hätte Er, Herr Glebow mich darzu
in Vorschlag gebracht. Da dachte ich, so werden auch wohl die, so mich daselbst wollen an-
geben aus dem lande zustoßen, wohl nicht gehör kriegen. Knaes Romadanowski sagte
er wolte mich mit seinen händen auf dem haupte tragen, so ich seinen Sohn wolte unterrichten.
Zu Herrn D Blumentrost sagte er, er wolte sich mit ihm frangen (wie es der Dolmetscher nen-
te) welcher unter ihnen beiden mich bei sich haben solte. Es ließen auch die Herren
Patres Catholici mir gewogenheit verspühren u mich zu sich bitten. Und sagten; Es
nehme sie nicht mehr wunder, daß der Vaget. auf der Canzel so grob wieder sie redte,
da er auch seiner eigenen GlaubensGenoßen nicht schonete, u Frankens Einleitung
wolte wiederlegen, welches doch die Gemeine lehre aller Christen vorstellete. Der Dän.
Envoye Monsieur Heins hatte Herrn D Blumentrost mit mund u hand zugesagt, 100 rubl.
darzu zugeben, so ich solte ReisePrediger werden. Anderer offerten mehr von an-
dern Gönnern u Freunden zugeschweigen. Es wurde aber auch
dazumahl meine Seele von Gott sehr gedemütiget, daß ich wünschte, so
es sei heil. wille, nur 3. bettelkinder zuhaben, üm selbige unge-
hindert zu Gott zu führen, u gern mit der geringsten Kost verlieb zu neh-
men, denn ganz keine hofnung schien übrig zu sein, daß ich hier im
lande solte in ein öffentl. Amt können gesezt werden. Und da ich
in Herrn D Blumentrosts hause in der Pot Klote (Einer Kammer auf der erden
bei der Küchen) viel Dunst mußte in mich ziehen u daher im haupt
u auf der brust viele beschwerung u beklemmung kriegte, auch sahe,
wie ander, was ich trachte zuerbauen, durch eitelen wandel u anfüh-
rung wieder einrißen, dachte ich, so es so fort gehen solte, were es
einem ja wohl beßer gewesen, nie gebohren zusein, alß sein leid so
in sich zufreßen u seine Kräfte vergeblich anzuwenden. Doch schwebten
mir darneben immer im herzen u auf der Zungen diese worte aus dem Gesang:
Ach Gott u Herr wie p: Gib Herr Gedult, vergib die schuld, verleih ein ghor-
sam herze, las mich ja nicht, wies oft geschieht, mein heil murrend
verscherzen. Und eben den tag drauf, da ich vor wehmuth meiner Seelen
wünschte nicht gebohren zusein, lies mich Herr Münter durch seinen Sohn,
meinen discipul, zu sie ins hauß zuziehen, ersuchen. Auch der Vater sprach
mich 3. tage drauf, neml. den 25. Mart, selbst darum an, u klagte über
die betrübnis u melancholi seiner tochter, so sie wegen abwesenheit
ihres Mannes hätte. Auch gab er zur andern Zeit einen Vorschlag auf
dem lande (so mir recht, auf seinen Glase hütten) die Information zu
treiben, weil man da nicht so viel hinderniß, alß in der stad, haben würde.