gebe mit einem ieden recht umzugehen in der erbarmenden
liebe Jesu Christi. Er laße nicht ab zu ringen im Gebeth für ihres
Tzaren zeitl. u ewige wolfarth, von dem mir Herr Ludolf viel Gutes
berichtet hat. Ich wil ihm auch durch Gottes Gnade mit beten hel-
fen. Gesezt, daß wir auch die frucht solches gebets in diesem le-
ben nicht sehen möchten, so werden wir sie doch in jenem leben
finden. Der Herr aber hat ihn nicht umsonst in Moscau
gesant. Der Herr ist mit ihm hingezogen, wie mit Jacob in
Egypten. Er sei nur sehr getrost u sehr freudig in seinem Gott.
Wo er seinen fuß hinsezzet, da müße es triefen von Segen
Gottes. –
Auf selbiges liebreiches Schreiben, so liebe in Moscau u Narva gemacht,
berichtete ich theils hiesigen Zustand, theils die Sache in Narva in
folgenden von 30 7br 97:
Deßen Schreiben von 13/23 Maj. habe den 10. huius wohl erhalten, die Sachen aber
sind noch unterweges. Womit sol ich Ihm, Theuerster bruder,
vergelten, die Große, Liebe, Treu u arbeit, so er an mich sonst u
iezt gewendet? Der Herr Herr sei dafür sein sehr großer lohn.
Er vermehre u erweitere täglich in, um u über ihn seine liebe
Gnade u barmherzigkeit. O wie hat die weitläuftige erzehlung
der thaten Gottes bei Euch theils freude, theils beschämung in mir
gewirket, jenes; durch betrachtung des mannigfaltigen reichen Segen
Gottes, der täglich an u üm Euch neu blühet. Dieses; da ich alß ge-
genwärtig sehe, daß unterschiedl. so nach mir in Christum kommen
sind, schon weit mehr gearbeitet, erlitten u bestritten alß ich. Wird
an einem ort viel fleischl. wolleben geführet, so geschiehet es leider!
hier, da wird mir nun noch zur Zeit schwer rechte maas zu halten;
u durch die sündl. gelegenheit ohne sünde mitten hindurch zu gehen.
Helfet doch ja um Christi willen auch hierin bei Gott vor mich zu käm-
pfen, daß ich nicht wieder überwunden werde. Von hier kan
noch nicht viel freudenreiche Zeitung schreiben, außer daß man in
hofnung stehet, u erwartet fernere hülfreiche hand Gottes zu seinem
werk. Doch läßet mich Gott auch hier viele barmherzigkeit u Gnade
finden, auch bei menschen. – – D Bl. filium suum forte missurus est Halam. –